Was für ein Monat mitten auf der Bühne meines so wunderbaren Lebens. Schönheit und Freiheit der Berge im Montafon, Lebendigkeit und Buntheit in Chile und tiefe Berührtheit in Buenos Aires, de nuevo. 🙏
Der Oktober startete mit vielen, vielen Stunden für meine Sänger:innen in Hannover, online und offline. Denn ab dem 10. Oktober war klar, dass ich Deutschland erst einmal den Rücken kehren würde. Keine Sorge, ich komme wieder, Ende November.
Erst das wunderschöne Montafon mit Online Unternehmerinnen. Dann gerade noch Zeit für einen 3-stündigen Kizomba Kurs bevor es auf den Flieger nach Chile ging. Und von dort nach Buenos Aires.
Mein Highlight im Oktober? Das MALBA in Buenos Aires (Museo de Arte Latinoamericano de Buenos Aires) Und warum? Für mich ist es immer wieder in der permanenten Ausstellung die Erinnerung, wie eng Kultur, Politik und Magie zusammenhängen. Denn genau diese Dinge erlebe ich in meiner Arbeit.
Wie schon im September durfte ich meiner Liebe zur Reise und gleichzeitigen Arbeit fröhnen. Ich liebe ich die Kombination von fremden Städten und Arbeit.
Und ich freue mich, wenn du mich begleitest, eine der Stimmen bist, in fremde Länder und Kulturen, in meiner Arbeit auf meiner speziellen Bühne der Seminare.
Besonders beschäftigt hat mich diesmal die politische Situation in Argentinien, die ich mit Freunden diskutiert habe, hat mich einmal mehr bestärkt in dem Wissen, wie wichtige die Kultur ist, wenn es um schwierige Zeiten geht. Wenn die Menschen mit so viel Geld, wie wir gar nicht zählen können meinen, sie könnten die ganze Welt bestimmen und als erstes immer die Bildung und die Kultur beschneiden. Sie wissen genau, warum. Denn Bildung ist Macht und das unmittelbare Erleben von Kultur, sei es in der Musik, dem Tanz, der Literatur gibt uns innere Macht und Unabhängigkeit. Es erlaubt uns, uns menschlich und verbunden zu fühlen. Wir erleben Momente von Erhabenheit, von Freiheit von Ängsten und sind nicht mehr so gut herumzuschubsen.
Ich finde meine Arbeit immer wieder politisch. Ein wichtiger Spruch der Frauenbewegung war: Das Persönliche ist politisch. Und ich sage: Das Kulturelle ist politisch. In diesem Sinn erlebe ich mich als politische Person. Denn wenn wir uns fühlen, dann sind wir auch in der Lage andere zu fühlen. Und das Handeln, was daraus resultiert, wird anders sein, als wie ich die Weltlage gerade erlebe.
In diesem Sinn: lasst uns singen, tanzen, Bilder betrachten, miteinander Musik machen, Bücher lesen und so vieles mehr, um kulturelle Wesen zu sein, die miteinander in Verbindung sind. Unsere Nervensysteme freuen sich darüber und die Stimmen danken es uns, egal, ob wir Sänger:innen sind oder nicht.
Viel Vergnügen beim Lesen und mit mir herumwandern in meinem Oktober, wo ich dich hinter die Kulissen meiner Arbeit und meiner Überzeugungen, Wünsche und heiligen Momente nehme.
Und wenn dich etwas berührt, teile es mir sehr gern in einem Kommentar mit, I love it ❤️,
Alles liebe, Hilkea
Rabine-Institut und Prof. Neuhuber
Zum zweiten Mal trafen sich die Masterteacher und die CRS Kandidat:innen des Rabine-Instituts mit Professor Neuhuber. Wir hatten im Vorfeld wieder eine Menge Fragen gesammelt. Vor allem die Neurowissenschaften betreffend, aber natürlich ging es auch wieder um Anatomie und Physiologie. Wie auch im letzten Jahr war es unglaublich spannend und gab wieder eine Menge Anregungen, Dinge neu zu überdenken. Gerade die sängerische Atmung und das Zwerchfell konnten noch einmal unter einem anderen Blickwinkel betrachtet werden, wenn wir die neurologischen Verbindungen noch mehr mit einbeziehen. Davon in einem anderen Blogartikel sicherlich noch mehr.
Das Montafon mit der Ruhe der Berge
Aus der Pfalz ging es direkt in die Berge Österreichs, ins wunderschöne Montafon. Dort war ein kleines Treffen mit online Unternehmerinnen, die ich schon seit mehreren Jahren kenne und sehr schätze.

Für mich ist es selbstverständlich, dass meine Inspiration am besten fließt, wenn auch die Umgebung stimmt. Ja, Masterminds über Zoom sind auch sehr schön, aber bei einem leckeren Frühstück oder Abendessen, in den Bergen, einem See, der inspiriert, das ist nochmal etwas komplett anderes. Persönliche Geschichten hautnah erleben und miteinander sein.

So fuhr ich auch unglaublich ruhig und mit vielen Ideen wieder nach Hause. Denn für mich ging und geht es in diesem Jahr um eine stimmige Zusammenführung meiner online und offline Arbeit. Die Frage, wie kann ich meine online Angebote genauso genießen, wie meine Arbeit mit Sänger:innen vor Ort steht immer wieder im Raum. Der Klang fehlt mir oft sehr in den Zoom Angeboten und meine Begeisterung ist nicht ganz so hoch. Andererseits erhalte ich immer wieder tolle Feedbacks zu meinen Selbstlernkursen. So viele Sänger:innen berichten, wie sie damit ihre Stimme wieder fit bekommen haben, wie viele neue Anregungen sie für ihre Schüler:innen bekommen.
Ich mag die Dinge sehr, die ich online vermittele und doch … Die Frage nach einem sinnvollen Aufbau steht immer wieder im Raum.
Und da habe ich spannende Anregungen bekommen. Danke Ladies, für euren Input.
Und wenn du dich für meine Selbstlernkurse mit wichtigen Themen für Sänger:innen interessierst, dann schau doch bitte auf meine Seite mit Angeboten zu Sängerischer Atmung, Kieferöffnung, mehr Leichtigkeit und Klang und das alles kombiniert mit dem Nervensystem.
Reise nach Chile und eine interessante Frage
Und dann war ich auch schon unterwegs nach Chile. Eine Premiere für mich: ich musste umsteigen!!! Normalerweise sehe ich immer zu, dass ich einen Direktflug bekomme, aber nach Chile war das nicht möglich. Und sie haben es mir nicht leicht gemacht. Das erste Mal war ein Flug überbucht und ich musste am Flughafen schauen, ob ich noch mitkomme. In Bogotá, Kolumbien sprachen sie kein Englisch am Flughafen, so dass ich gleich gezwungen war, mein Spanisch zu üben, um an eine Boarding card zu kommen. Aber alles verlief super, ich war stolz auf mich, dass ich auch das gemeistert hatte und schon konnte es losgehen bzw. weitergehen.
In Chile angekommen wurde ich von Paz Miranda Iturriaga abgeholt. Eine wunderbare Jazz-Sängerin, die ich während ihres Studiums in Deutschland kennengelernt hatte. Wenn du magst, checke Paz Miranda doch gern mal auf Instagram.
Glücklicherweise war auch etwas Zeit, mich herumzuführen. Und so landeten wir gleich am ersten Abend am Strand von Viña del Mar…

… und am nächsten Tag auf einem Markt, um etwas einzukaufen. Ich liebe Märkte, besonders, wenn sie andere Früchte haben oder die Früchte andere Größen haben. Leute, solche Erdbeeren habe ich noch nicht gesehen.

Paz hatte mich eingeladen, einen Workshop zur Rabine-Methode zu geben. Denn in Chile sprechen wohl viel Sänger:innen über diese Methode, aber niemand scheint so wirklich zu wissen, was sie ist und wie wir arbeiten. Zudem bestand die Möglichkeit, bei mir Einzelstunden zu nehmen.
Die Einzelstunden berührten mich sehr, denn ich gestehe feierlich, ich bin immer wieder geschockt, wenn ich höre, was in manchen Gesangsstunden, in mancher Ausbildung immer noch gelehrt wird. Die sängerische Atmung kommt entweder gar nicht vor oder wir haben es mit diesem alten Bild von Stütze als Aktivität der Bauchmuskulatur zu tun. Und dann fühlen sich die Sängerinnen in der Höhe nicht wohl, haben Schmerzen beim Singen und das teilweise jahrelang.
Und gerade der Anfang kann oft so einfach sein. Unterstützung, dass sich der Brustkorb endlich voll und flexibel bewegen darf und schon geht vieles besser. Wenn wir dann noch in die Kieferöffnung hinein schauen – und wir haben total schöne Übungen dazu in der Rabine-Methode – hat mich mehr als eine Schülerin gefragt, ob ich eine Zauberin wäre. Nein, no soy una bruja (nein, ich bin keine Hexe), ich kenne nur die Physiologie der Stimme und des Körpers und füge das mit (Körper-)Übungen für die Stimme zusammen. Und da ich mich auch noch mit dem Nervensystem gut auskenne, den Stress gut kenne, unter dem so viele Sänger:innen stehen, sind alle Sängerinnen extrem gut gelaunt und sehr glücklich aus ihrer Stunde gegangen.
Masterclass an der Hochschule in Viña del Mar
Um die Räume für den Unterricht nutzen zu können, hatte ich zugestimmt, eine Masterclass in Viña zu geben, öffentlich für die Student:innen und extern Interessierte. Paz und ich wussten nicht wirklich, wie viele Menschen kommen würden und waren dann total positiv überrascht über das tolle Echo.

Es waren Sänger:innen da, klassisch und popular, es waren aber auch etliche Logopäd:innen da. Das Interesse war groß und die Fragen vielfältig. Und immer wieder so schön die Erfahrung, wenn jemand kommt und bei jemandem Stunden hatte, den ich ausbilden durfte. Die Sänger:innenwelt ist doch irgendwie recht klein, jedenfalls im klassischen Sektor.
Wochenendworkshop zu den Basics der Rabine-Methode
Und dann kam der Workshop. 20 Sänger:innen und Logopäd:innen hatten sich angemeldet. Ich hatte mich entschieden, genau wie wir es am Rabine-Institut machen, abwechselnd praktische Erfahrungen anzuleiten und dann theoretische Erklärungen zu geben. Diese Kombination hat sich sehr bewährt und kam auch in Chile sehr gut an. Viele Fragen konnten geklärt werden, aber noch mehr Fragen konnten nur kurz angerissen werden und irgendwann hatten wir einen running-gag, der da hieß: innerhalb der 4-jährigen Ausbildung am Rabine-Institut zum certified Rabine teacher (CRT) haben wir zu diesem Thema eine ganze Einheit von einer Stunde, manchmal bis zu 4 Einheiten, wenn es beispielsweise um die sängerische Atmung geht. Ich konnte immer wieder auf meinen Blog verweisen, beispielsweise, wenn es um die Doppelventilfunktion ging, die eine der wesentlichen Grundlagen der Rabine-Methode ist. Und dank KI kann ja mittlerweile alles recht schnell in andere Sprachen übertragen werden.
Und es gab auch etwas für die Pädagog:innen. Wir übten Körperlesen, ein wichtiger Bestandteil unserer Ausbildung in Deutschland. Angeregt von der Einheit hatten wir natürlich auch damit wieder unseren Spaß, danke an Jimena für die lustige Idee.

Wir hatten zwei Tage voller Stimme, Fragen, Lachen und Neugier. Und als am Sonntag auch noch das Wetter mitspielte, hatten wir eine geniale Pause direkt am Meer. Das ist schon ein Luxus, wenn man in einer Stadt wohnt, die am Meer liegt.
Touristisches für mich
Und natürlich gab es auch Zeit, etwas Touristisches zu machen. Valparaiso, kurz Valpo stand natürlich auf dem Programm. Es liegt quasi in den Berg hinein gebaut, hat also verschiedenste Etagen. Viele wunderschöne alte Häuser, super coole bunte locations. So verschieden und so lebendig.

Paz erzählte Geschichten aus der Geschichte, aber auch persönliche Erlebnisse und so ging der Tag superschnell rum. Ich lasse mich sehr gern von den ganz anderen Arten zu bauen und zu leben inspirieren. Das Essen ist anders und die Menschen leben anders. Es ist so schön zu merken, dass der Lebensstil so unterschiedlich sein kann und dann geht es um die Stimme und schon sind wir miteinander verbunden. Besonders faszinieren mich immer wieder Cafes und Veranstaltungsorte, die kreativ und unique sind.

Buenos Aires de nuevo – Rabine-Methode, mein 3. Mal
Und dann ging es auch schon weiter nach Buenos Aires. Diesmal allerdings mit einem kleinen Flieger und mein Ziel war der Flughafen Jorge Newbery. Der Mann, nach dem er benannt ist ist übrigens ein Luftfahrtpionier Argentiniens.
Eine lustige Begebenheit am Rande. Ich erinnerte mich an meinen ersten Besuch in 2018, wo ich bei der Einreise gefragt wurde, was das Ziel meines Besuches war. Ich sagte, ich wolle eine Freundin besuchen, hatte dann aber gerade noch den Namen parat, aber kein Viertel und keine Adresse. Da half damals nur freundlich lächeln und so naiv aussehen, wie ich war.
Doch diesmal war ich bestens vorbereitet. In schönstem Spanisch konnte ich sagen, dass ich eine Freundin besuche, in welchem Stadtviertel sie lebte, ihre Adresse mit samt der vierstelligen Hausnummer und das alles ohne nachzudenken, recht flott und im besten Dialekt von Buenos Aires. Damit erntete ich ein großes Lächeln und weiter ging es.
Bevor gleich am nächsten Abend die Arbeit mit einer meiner Supervisionsgruppen losging, hatte ich Zeit mich Macarena Robledo, meiner genialen Übersetzerin und Kollegin im MALBA, dem Museo de Arte Latinoamericano de Buenos Aires zu treffen. Und wieder traf es mich mit voller Wucht, als ich in die permanente Ausstellung ging und in riesiger Größe dieses Bild sah:

Auch jetzt kommen allein hier in meinem Blogartikel schon wieder die Tränen. Fragt mich nicht wieso.
Und dann der nächste Saal mit seinen beiden für mich magischen Bildern von Remedios Varo. Interessanterweise 🤔 wird bei Wikipedia fast nur über ihre 3 Ehen geschrieben. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Aber deshalb habe ich sie anders verlinkt, wo es mehr um ihre wunderbare Arbeit geht. Sie ist Vertreterin des Realismo mágico, den ich schon immer in den Büchern von Isabel Allende so geliebt habe.

Supervision in der Rabine-Methode
Meine 8 Tage waren voll gepackt mit Arbeit. Denn eine meiner Ideen, warum ich nach Buenos Aires gekommen war, waren meine beiden Supervisionsgruppen. Im Februar 2026 ist die Abschlussprüfung für sie in Deutschland am Rabine-Institut und es macht nicht so viel Sinn, Supervision eine Woche vor der Prüfung zu bekommen. Also traf ich mich mit beiden Gruppen für ausführliche Supervision. Wir konnten letzte Fragen klären und hatten neben Arbeit auch viel Spaß. Wobei der typische Mate nicht fehlen durfte. Leute, ich werde auch langsam süchtig nach Mate.

Clínica – 2 Tage Rabine-Methode und Nervensystem
Und auch ein öffentlicher Workshop durfte nicht fehlen. Mit meiner Kollegin Macarena Robledo waren wieder drei Tage Arbeit angesagt. Wir probierten diesmal ein etwas anderes Format aus. Es gab zum einen die clínica, wo ich Einzelstunde öffentlich gab und es auch Abschnitte für alle zum Singen und Ausprobieren gab. Und am Sonntag hatten wir dann einen großen Workshop, bei dem diesmal ca. 40 Personen waren und wo wir einen Schwerpunkt auf die Bühne legten.
In der Clínica gab es jeweils zwei Einzelstunden am Vormittag und am Nachmittag. Am Vormittag gab ich Erläuterungen, was ich wann und warum mit den Sänger:innen gemacht hatte. Ich erklärte wesentliche Aspekte der Methode und dann probierten wir in einem Gruppensingen verschiedene Übungen selber aus. Am Nachmittag wurden die Stunden dann von Macarena abgerundet, die mit einem Stück von Charly García mit den Sänger:innen experimentierte, was eine besondere Bedeutung für viele von ihnen hatte. Ich war an dieser Stelle die Pianistin, was mir viel Spaß machte.
Die Einzelstunden berührten mich auch dies Mal wieder sehr. So hatte ich einige Sängerinnen, die mit verschiedenen Arten von traumatischem Stress zu tun hatten. Ich bin immer wieder erstaunt, wie sehr sich die Sängerinnen für nur eine einzige Stunde öffneten und wie tief der Kontakt gehen kann. Mehr als einmal musste ich die Tränen zurückhalten über den Kontakt, der entstand.

Tagesworkshop – die 6 Schlüssel der Stimme
Der Tagesworkshop hatte unsere 6 Schlüssel zur Stimme zum Thema. Ich hatte für den Vormittag Einheiten zu Körper und Atmung vorbereitet. Mit großem stimmlichen Erfolg im ersten Teil wurde von groß nach klein bewegt. Becken schieben und Arme zum Schluss wie lauter Polizist:innen, die den Verkehr regeln. Viel Freude und stimmliche Power im Raum. Und es stellte sich Stabilität in den Stimmen und im Körper ein.
Dann der zweite Teil mit dem Prinzip von außen nach innen. Da kamen Übungen zum tragen, die viel feiner und differenzierter waren. Es ging dabei viel um innere Wahrnehmung. Die Schutzsysteme Kiefer, weicher Gaumen, Zunge, Taschenfalten und zuletzt Stimmlippen wurden in die Wahrnehmung gebracht. Darüber habe ich immer wieder gesprochen und geschrieben. Du findest ein Video bei YouTube „Schutzmechanismen im Atemweg“ und einen Blogartikel „Schutzsysteme im Vokaltrakt“ zum weiteren Einstieg in dieses spannende Thema, was Stimme und Nervensystem verbindet. Und damit änderte sich die Energie im Raum sehr. Auf einmal waren Berührbarkeit, Schutz, Verbindung und all diese Worte im Raum. Auch der Klang veränderte sich noch einmal in Richtung von Weichheit, Flexibilität.
So waren die beiden Arbeitsprinzipien der Rabine-Methode „von groß nach klein“ und „von außen nach innen“ erfahrbar. Und auch die beiden Begriffe, die mir für die Stimme auf der Bühne so wichtig sind – Stabilität und Flexibilität – konnten umgesetzt werden.
Bühnenarbeit in diesem Workshop mit allen
Am Nachmittag ging es dann wirklich um die Bühne. Unsere Bühne war diesmal groß genug, so dass wir verschiedene Gruppen auf die Bühne bringen konnten. Die Erfahrungen als Bühnenperson und auch im Publikum waren für alle total spannend. Wir hatten sehr erfahrene Künstler:innen dabei, aber auch nicht so erfahrene. Und es war für alle eine sehr besondere Erfahrung.
Und dann ganz am Ende noch einmal die gesamte Gruppe auf der Bühne. Mit einem Song, der für Argentinien viel bedeutet. Das Lied Inconsciente colectivo von Charly García ist mehr als ein Lied. Es entstand am Ende der Militärdiktatur und zeigte, dass es auch in Zeiten der Angst nicht gelingt, alles verschwinden zu lassen. Es kann immer wieder neu wachsen. Für mich, die ich in einem komplett anderen Land aufgewachsen bin, mit einer brutalen Vergangenheit, an der ich noch nicht teilhatte, war das etwas sehr Bewegendes.
Diesen Teil teilten Macarena und ich sehr spontan untereinander auf. Und ganz am Ende stand die gesamte Gruppe auf der Bühne und aus einem Impuls ergab es sich, dass Maca und ich dann das Publikum waren. Etwas, was mehr als eine Geste war, als wir uns verbeugten. Wieder ein sehr berührender Workshop. Mein Herz ist auf eine sehr besondere Art mit Latinoamerika verbunden, die ich noch nicht wirklich in Worte fassen kann, die ich aber jedes Mal wieder tief fühlen kann.

Was gab es sonst noch im Oktober?
Viel Oper in der ersten Hälfte Oktober, denn ich habe jetzt das große Vergnügen, mehrere Musiker vom Opernhaus Hannover zu betreuen. Und so war ich hautnah mit der Produktion Don Giovanni verbunden, konnte Proben ansehen und war glücklich, „mein“ Opernhaus wieder aus dieser Perspektive betrachten zu können. Der Don Giovanni lohnt sich übrigens sehr. Spannende Umsetzung und gute Sänger:innen.
Auch die spanisch-sprechende Community war wieder ein Teil des Monats. Diesmal mit dem Thema Akustik. Komplex und spannend gleichermaßen. Wie schön, danach dann im November einige von ihnen außerhalb der kleinen Kästchen von Zoom zu sehen.
Was dich im November erwartet
Der November begann stark, denn ein Teil der Zeit in Buenos Aires fiel noch in den November. Aber ich wollte meine Erlebnisse einfach nicht auseinander reißen.

Das Abschlussseminar der Ausbildungsgruppe 19 am Rabine-Seminar steht an. Dahin bin ich gerade unterwegs. Ich hatte es aus Versehen schon in den Oktober verortet. Nö. Ist erst jetzt.
Und dann werde ich auf Fuerteventura sein, mit großartigen Online Business Unternehmerinnen. Ich bin gespannt, was mir das für neue Ideen für mein Business bringt.
Und ich arbeite – ganz merkwürdig in der Sonne dabei zu sitzen – an meinem Adventskalender für dieses Jahr. Interessiert? Dann kannst du dich HIER ANMELDEN
Danach warten Ferien auf mich. Eine Woche auf Lanzarote, meiner momentanen Lieblingsinsel.
Meine AHA-Momente in diesem Monat liest du in meinen letzten Worten, die für mich immer eine große Bedeutung in meinen Vorträgen haben.
Letzte Worte – last words – últimas palabras
Der Terminus „my last words“ ist ein running gag seit der ersten internationalen Ausbildung für unsere erste argentinische Gruppe. Da versagte mein iPad just in dem Moment, wo ich meine letzten Worte zu einer Einheit sprechen wollte. Ich bemühe mich immer, einen runden, manchmal sehr emotionalen und / oder philosophischen Abschluss zu finden, wenn mich ein Stimmthema mal wieder sehr berührt. Und auch auf dieser Reise gab es viele letzte Worte. In meiner Supervision, in der Clínica, im Workshop, aber auch als Resüme der gesamten Reise. Hier also meine letzten Worte, die mir kamen auf dem Anflug nach Frankfurt.
Als wir am Vormittag über die Alpen oder die Pyrenäen flogen – ich bin ganz mies in Geografie – wurde ich wieder von diesem großen Gefühl des Staunens getroffen. Ich muss nicht einmal zum Mond fliegen und die gesamte Erde sehen, um die Schönheit zu finden. Und immer wieder die Frage: Warum können wir Menschen es nicht schaffen, angesichts einer solchen Schönheit und Erhabenheit mit mehr Mitgefühl füreinander und unsere Erde zu leben? Was macht uns zu solchen Raubtieren, die schlimmer sind als jeder Löwe und jeder Hai? Was in uns ist es, das wir diese Erde systematisch zerstören und unsere Mitmenschen bestialisch ermorden? Den Reichtum so ungleich verteilen und den Hals nie voll genug bekommen?

Kultur ist politisch
Und kann Kultur, kann Gesang, kann Stimme, kann Mitgefühl dabei wirklich helfen? Sind wir Kulturschaffenden wichtig in diesem Prozess? Was können wir beitragen mit unserer Empfindsamkeit, unserem Gefühl, unserer universellen Sprache von Stimme, Bildern, Tanz und den poetischen Worten? Ich möchte als letztes die brasilianische Dichterin Clarice Lispector zitieren. Meine wunderbare argentinische Vermieterin Deborah Azar sagte mir die Worte als wir miteinander über das Leben und die Kunst sprachen:
El arte no es pureza, es purificación. El arte no es libertad, es liberación.
(Auf Deutsch würde es in etwa bedeuten: „Die Kunst ist nicht Reinheit, sie ist Reinigung.
Die Kunst ist nicht Freiheit, sie ist Befreiung.“)
Was für ein unglaublich wunderschöner Gedanke. Und er trifft sich mit dem, was ich immer wieder erlebe. Bei mir selbst und mit meinen Sänger:innen. 🙏

1 Kommentar zu „Blick hinter die Kulissen – Singen ist politisch, por supuesto“
Liebe Hilkea!
Was für ein berührender und kraftvoller Monatsrückblick! Deine Worte haben mich mit auf eine Reise genommen, die weit über GESANGSMENTORING hinausgeht – eine Reise ins Herz dessen, was Stimme und KULTUR wirklich bedeuten.
Besonders beeindruckt hat mich, wie du die politische Dimension deiner Arbeit herausarbeitest – kein Wunder, dass dir die Tränen beim Anblick des abgebildeten Gemäldes kamen! „Das Kulturelle ist politisch“ – dem kann ich absolut zustimmen, ganz besonders auch wieder jetzt, da Bildung und Kultur in ihren Etats weiter beschnitten werden sollen.
Deine Beschreibung der Arbeit in Chile und Buenos Aires ist so lebendig und authentisch (auch dank der wundervollen und bunten Bilder!). Man spürt deine tiefe Verbundenheit mit Lateinamerika und die gegenseitige Bereicherung, die entsteht, wenn Kulturen sich auf der Ebene der Stimme begegnen. Die Momente, in denen du von den Tränen bei den Einzelstunden erzählst, von der Berührtheit beim gemeinsamen Singen – das zeigt, dass deine Arbeit Menschen in ihrer Essenz erreicht.
Dieser Arbeit sollten wir alle unsere Stimme leihen: Menschen über kulturelle und nationale Grenzen hinweg mit etwas zu verbinden, was alles verbindet: mit der je einzigartigen menschlich-göttlichen Stimme.
Schreiben, Singen, Tanzen, ganz allgemein Schöpferischsein – ist befreiend, Begegnung ist befreiend. Kreativität befreit diejenigen, die kreativ sind und diejenigen, die davon berührt werden.
Danke für diesen Einblick hinter die Kulissen deines wundervollen, bedeutungsvollen Wirkens. Du erinnerst uns daran, dass unsere Stimme mehr ist als ein Instrument – sie ist Ausdruck unserer Menschlichkeit (und Göttlichkeit ;-)) und damit auch gleichzeitig politisch und kreativ.
Alles Liebe und weiterhin so viel Kraft für deine wichtige Arbeit!
Monika