In meinem Gesangsunterricht arbeite ich vorzugsweise mit der Rabine-Methode. Und immer wieder werde ich gefragt, was diese Methode eigentlich ist und was sie auch von anderen Methode für Gesangsunterricht unterscheidet. Das erste, was mir einfällt: Diese Methode ist sehr komplex. Und deshalb ist auch die Antwort auf die Frage weder leicht noch kurz,. Doch ich möchte hier sehr gern den Ansatz der Methode verständlich machen.
Sie ist meistens an das Funktionale Stimmtraining geknüpft. Und funktionale Methoden gibt es heutzutage einige. Da ist es nicht ganz leicht zu verstehen, wer woher kommt und was die Unterschiede sind. Funktional bedeutet zuerst einmal, dass sich die jeweilige Methode an der Funktion orientiert. Sei es die Stimmfunktion, wie bei uns oder auch die grundlegenden Funktionen unseres Körpers wie Atmung und Körperhaltung.
Auf der Seite des Rabine-Instituts lesen wir:
„Bei der Tätigkeit der künstlerischen Phonation erfahren wir uns nicht nur als Künstler, die ein künstlerisches Konzept mit Darstellungsfähigkeit verbinden, sondern als Instrument selbst. So vereint die Theorie der Stimmfunktion gegenwärtiges wissenschaftliches Wissen in einem Grundlagenwerk, der Rabine-Methode, die die anatomischen, physiologischen, neurologischen sowie die biologischen Zusammenhänge zwischen der Funktion des menschlichen Instrumentes und dem Ergebnis Stimme darstellt.:
- einer Theorie über die Stimmfunktion
- einer Theorie über sensomotorisches Lernen und Lernvorgänge
- einer Methodik, entwickelt auf Basis dieser beiden Theorien und organisiert in systematischen Vorgängen
- einer Pädagogik, in der die Methode durch das Wissen und die Erfahrung des Lehrers / der Lehrerin angewendet wird
- einem Stimmtraining mit dem Ziel der Stimmentwicklung, gekoppelt mit Selbstwahrnehmung, Konzeptbildung und Persönlichkeitsentwicklung“
Schon allein durch diese Auflistung wird klar, dass wir es mit verschiedenen Feldern zu tun haben. Und die werde ich in meinem Blogartikel näher beleuchten.
Doch fangen wir doch zuerst mit ihrem Begründer, dem Gesangspädagogen Eugen Rabine an.
Eugen Rabine – der Begründer der Methode
Eugen Rabine wurde am 10.11.1940 in den USA geboren. Er studierte Gesang, Musikpädagogik und Dirigieren und legte seine Magisterarbeit an der Julliard School for Music in New York ab. 1972 zog er als Sänger nach Deutschland. Er interessierte sich schon immer für die Stimme und ihre Mechanismen und entschied sich sehr bald für das Unterrichten. Er forschte sein gesamtes Leben lang weiter an der Stimmfunktion, indem er die Physiologie studierte und unglaublich viele Übungen erfand, die die Abläufe beim Singen erlebbar machten.

Die Theorie über die Stimmfunktion in der Rabine-Methode
Die Theorie über die Stimmfunktion nutzt als Grundlage Wissen aus Anatomie, Physiologie, Biologie, Neurologie, Akustik, Sportmedizin, Gehirnforschung, Aerodynamik und Evolution. Aber auch Lerntheorien und psycho-emotionales Wissen sind mit eingeflossen. Sie hat immer versucht, neues Wissen in Bezug zur Stimme und ihrer Funktion zu setzen.
Das Interessante daran, neben all dem spannenden Wissen war für mich immer, dass wir nicht schauen, wie verschiedene Sänger:innen singen, das analysieren und daraus schließen, wie Singen gehen sollte, sondern die Stimme an sich betrachten. Und das in all ihren Möglichkeiten, die ihr durch den Körper gegeben sind. Das ist stellenweise das Gegenteil von dem, was andere heutzutage machen.
Viel ist am Vokaltrakt geforscht worden. Es gibt viele spannende Aufnahmen, die zeigen, was Sänger:innen aus den ganz verschiedenen Sparten mit ihrem Vokaltrakt machen, um die entsprechenden Klänge zu produzieren. Aber unser Ausgangspunkt ist nicht die Gestalt des Vokaltraktes, auch wenn das sehr wichtig ist und wir natürlich damit arbeiten, sondern die Stimmfunktion, die Funktion der Stimmlippen beim Singen.
Doppelventilfunktion als Basis der Rabine-Methode:
Langsam aber sicher entstand eine Theorie der Stimmfunktion auf Basis der Doppelventilfunktion. Ich gehe hier nicht weiter in die Einzelheiten, denn du findest hier auf meinem Blog einen Artikel zur Doppelventilfunktion.
Sensomotorisches Wahrnehmungstraining
Sensomotorik ist die Zusammenarbeit von Sinneswahrnehmung und motorischen Fähigkeiten. Dabei geht es um Koordination, Wohlbefinden, Effizienz und Differenzierung. Durch Grobmotorik und Feinmotorik lassen sich neue Bewegungen und Bewegungsmuster erlernen, die bei weiterer Übung mehr und mehr abrufbar zur Verfügung stehen. Dabei steuert gerade die kleine Muskulatur dann oft die Qualität einer Bewegung. Die grobe, große Muskulatur reagiert darauf und stellt sich in den Dienst der Qualität. Je nach Anwendungsgebiet werden sehr verschiedene Bewegungsmuster benötigt und (neu) gelernt. So ist die Atmung im Singen etwas komplett anderes als beim Yoga, da die Ziele unterschiedlich sind. WICHTIG: Es gibt also nicht DIE richtige Atmung, sondern die Atmung, die unserem Anwendungsziel dient.
Diese Art der Wahrnehmung verknüpft die Motorik, also die Bewegung und die Sensorik, die die Frage stellt, wie du äußere und innere Reize durch deine Sinne aufnimmst und verarbeitest. Dabei spielen Hören und Sehen eine Rolle, aber natürlich auch Riechen, Schmecken und Tasten. Eigentlich alles, wofür unser Körper Rezeptoren besitzt und was unserem Gehirn als Aktivität gemeldet wird.
Unser Gehirn ist immer mittendrin
Und das ist es, was wir ständig tun. Deine Sinne melden durchgehend, was sowohl in deinem Körper als auch in deiner Umwelt los ist. Und im Gehirn wird dann entschieden, was neu, was wichtig genug ist, um in deinem Bewusstsein anzukommen. Genau diese Art zu lernen eignet sich nicht nur im Spitzensport hervorragend, sondern auch beim Singen. Dabei sind die Stimmlippen und ihre muskulären und faszialen Verbindungen der Maßstab, denn sie sind die Quelle deines Stimmklangs.
Es geht also zuerst um Wahrnehmung dessen, was Bewegungsabläufe angeht, die für das Singen entscheidend sind, wie Schwingungswahrnehmungen in den Stimmlippen und im Vokaltrakt, aber auch um größere und gröbere Wahrnehmung wie Tonusempfindungen für den gesamten Körper, aber auch für Funktionen wie Haltung und Atmung.
Siehe dazu meine Artikel: Sängerische Atmung und Haltung und Aufrichtung beim Singen.
Sollten dir manche Begriffe der Stimme, der Gesangspädagogik und der Rabine-Methode unbekannt sein, dann schaue gern in meinem Stimmglossar Stimme-Deutsch, Deutsch-Stimme nach.
Methodik der Rabine-Methode
Die Methodik innerhalb der Rabine-Methode ist zu einem großen Teil von einem sehr langjährigen Schüler Eugens, Uwe Götz in Zusammenarbeit mit ihm entwickelt worden. Er ist auch der derzeitige Leiter des Rabine-Instituts und zuständig für das Curriculum der Ausbildungen zum CRT (certified Rabine teacher). Das Institut bildet vor allem Pädagog:innen aus. Es ist kein Institut, in dem man das Singen erlernt.
Es ist sehr wichtig, wie man das Unterrichten innerhalb dieser Methode erlernt. Das Konzept der Supervision der angehenden Lehrer:innen ist über die Jahre immer mehr verfeinert worden, so dass es immer effektiver möglich ist, das funktionale Hören, Sehen und Mitempfinden zu lernen. Außerdem gibt es ein Konzept über die Entwicklungsstufen, die eine Sängerin, ein Sänger durchschreitet, um sein Handwerkszeug zu lernen. So haben wir als Pädagog:innen eine Orientierung, welche Übungen, welches Lernziel als nächstes in der Entwicklung unserer Sänger:innen wichtig ist und welche verschiedenen Stimm- und Körperübungen wir nutzen können.
Innerhalb dieser Supervisionen wird immer klarer, welche Übungen auf welcher Ebene wirken und wie wir die effizientesten für diesen Entwicklungsschritt herausfinden.
Wir denken umgekehrt
Und uns fällt immer wieder auf: Wir zäumen das Pferd, wie man so schön sagt, von der anderen Seite auf. Wie schauen nicht, wie singt Herr oder Frau XYZ und wie macht sie das, also machen wir es auch so, sondern wir hören als erstes auf die mögliche Stimmfunktion, lassen unsere Sänger:innen dem nachspüren und daraus entsteht dann der individuelle Stimmklang dieser Sängerin, dieses Sängers.
Ein Standard-Spruch einer meiner Professorinnen an der Hochschule war: „Ich habe mit dem, wie ich gesungen habe, viel Geld verdient. Also mach es einfach genauso.“ Dann ließ sie mich fühlen, sang mir vor und erwartete, dass ich es genauso nachmachen würde. Das gelang mir allerdings nicht. Weder durch das Fühlen der Weitung ihres Brustkorbs konnte ich ihre Atmung kopieren noch beim Singen ihren Klang.
In der Rabine-Methode ist es wichtig, die Stimmfunktion an sich zu verstehen und von dort ausgehend, Übungen zu entwickeln und anzuwenden, die es unseren Sänger:innen ermöglichen, ihre Stimme so effizient wie möglich zu nutzen. Dazu dienen unsere Körper- und Stimmübungen und die Eigenwahrnehmung. Die eigene Stimme über die Empfindung und Wahrnehmung zu finden ist wichtiger, als jemanden zu imitieren, was beim Vor- und Nachsingen leider sehr häufig der Fall ist.
Pädagogik in der Rabine-Methode
Die Kommunikation wird groß geschrieben in der Rabine-Methode. Fragen, Anweisungen, eine Sprache, die immer von dem kommt, was schon da ist, um dann zu erweitern und daran anzuknüpfen. So arbeitet im übrigen auch unser Gehirn. Wir verstehen eine:n Sänger.in nicht als eine Ansammlung von Fehlern, die es im Laufes der Ausbildung auszumerzen gilt.
Zu meiner Zeit in der Musikhochschule war ein kleines Büchlein sehr populär: Stimmfehler, Stimmberatung von Paul Lohmann. Sicherlich gut gemeint, aber es zeigt genau diese Art zu denken. Es geht meiner Ansicht nach im Leben und in der Pädagogik nicht um Fehler. Wir würden einem Klavierschüler auch nicht sagen, es sei ein Fehler, dass er die Läufe einer Mozart Sonate nicht spielen kann. Er hat das Handwerkszeug dazu in diesem Stadium nicht. Also konzentrieren wir uns auf das, was vorhanden ist und erweitern Stück für Stück die Möglichkeiten. Das ist Lernen.
Wir leben in einer Fehler-Kultur. Deshalb erscheint es uns so „natürlich“ von diesem Standpunkt aus zu denken. Und es scheint manchen undenkbar, dass Kritik etwas anderes sein könnte, als Fehler zu entdecken, sie zu vermeiden und zu entfernen, um. dann möglichst fehlerfrei zu musizieren.
Zu Fehlern habe ich in Bezug zu meinem Gesangsunterricht eine ganz besondere Beziehung. Und ich habe diesem Thema einen ganzen Blogartikel gewidmet mit dem Titel: Kann man Fehler im Gesangsunterricht machen?
Was wir nicht machen: Vorsingen und abstrakte Vorstellungsbilder benutzen.
Die Rabine-Methode ist eine Frage- und Wahrnehmungspädagogik
Da wir mit der Wahrnehmung der Schülerin arbeiten, fragen wir viel nach. Zum einen, weil wir wissen möchten, was die Schülerin gerade wahrnimmt, wo sie mit ihrer Aufmerksamkeit ist, aber zum anderen lenken wir auch durch Fragen die Aufmerksamkeit. Denn wir gehen nach einer Hierarchie vor, die für die Wahrnehmung und die Stimmfunktion wichtig ist.

Zu Beginn starten wir meist mit dem Körper und gehen weiter und weiter nach innen. Der Körper ist unser Instrument und deshalb gehen wir zuerst von außen nach innen und von groß nach klein. Aber ab einem bestimmten Entwicklungsstand unserer Sänger:innen kehrt sich der Prozess um. Dann geht es von innen nach außen. Die Stimmlippen zeigen dem Körper, was unser Instrument Stimme braucht. Doch dazu sollte der Körper zuerst einmal gelernt haben, was gebraucht wird.

Dieser Prozess ist extrem individuell. Zwar hat jede:r von uns einen Körper, der nach ähnlichen Parametern organisiert ist, aber Bewegungsbiografien, Vorlieben, psycho-emotionale Eigenheiten und Erlebnisse, all das bestimmt, wie wir Körper und Stimme gewohnt sind zu nutzen.
In diesem Sinn kann ein Schüler nichts falsch machen. Das ist eine Aussage, die Eugen immer wieder bei einem ersten Unterricht betont hat. Denn Menschen nehmen das wahr, was sie wahrnehmen, Punkt. Wir können lenken, wir können fragen, wir können durch Körper- und Stimmübungen verdeutlichen, das ist unser Job. Die Wahrnehmung jedoch liegt beim Schüler.
Wir singen nicht vor
… es sei denn, wir möchten eine Übung verdeutlichen oder einen Klangunterschied vorführen. Dabei geht es allerdings NIE darum, den Schüler oder die Schülerin zu imitieren oder sie anzuregen, es genauso wie wir zu machen. Vielmehr wollen wir etwas demonstrieren. Z.B. verschiedene Klänge. (längerer Vokaltrakt versus kürzerer Vokaltrakt. Mit mehr oder weniger Grundtonfrequenz singen. Sprachartikulationsbasis versus Singartikulation.)
Funktionales Stimmtraining
Das funktionale Stimmtraining beinhaltet die Anwendung der entsprechenden Stimm- und Körperübungen zum Zweck des Trainings. Denn so wie jeder Sportler, jede Sportlerin das neu gelernte trainieren muss, so tut es auch eine Sängerin. Und dabei werden die Kenntnisse angewendet, die sie durch das sensomotorische Wahrnehmungstraining in ihren Gesangsstunden erleben und verstehen konnte. Und nun geht es ganz simpel ans Üben, ans Experimentieren mit dem Körper, der Stimme und letztendlich der Übertragung auf unsere Musik.
Denn was helfen uns perfekte Übungen, eine tolle Körperhaltung, wenn sich der Mozart oder Verdi immer noch nicht singen lässt? Nix. Also gilt es mit Hilfe des Handwerkszeugs und einem nachvollziehbaren Konzeptes nun zu üben und umzusetzen.
Möchtest du praktisch etwas von dem ausprobieren, was wir in der Rabine-Methode anwenden? Hier ist ein kleiner und interessanter Ausschnitt: 5 Übungen aus der Rabine-Methode. Es handelt sich um 5 Körper- und Stimmübungen, die wir immer wieder anwenden.
Wissenschaftliche Grundlagen der Rabine-Methode
Eugen haben von Beginn an die medizinisch wissenschaftlichen Grundlagen der Stimmfunktion interessiert. So suchte er das Gespräch mit Medizinern, las wissenschaftliche Fachaufsätze und Bücher und tauschte sich mit Kollegen aus.
Mittlerweile verbindet die Methode Wissen aus verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen:
Anatomie Kenntnisse innerhalb der Rabine-Methode
Zuerst vielleicht eine Definition, denn manchmal ist der Unterschied zwischen Anatomie und Physiologie nicht ganz klar.
Die Anatomie (von griechisch: zerschneiden) befasst sich mit dem Aufbau des menschlichen Körpers, seiner Organe und Gewebe. Die Anatomie des Menschen kann unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet werden. So wird zum Beispiel die makroskopische Anatomie (beschreibt die mit dem bloßen Auge sichtbaren Strukturen) von der mikroskopischen Anatomie (beschäftigt sich mit Strukturen, die nur mithilfe eines Mikroskops betrachtet werden können) unterschieden. Allgemein kann die Anatomie auch als Lehre beziehungsweise Wissenschaft vom Bau der Körperteile bezeichnet werden.
Gesundheit – ein Portal für Österreich
In der Rabine-Methode schauen wir uns sehr genau an, wie der anatomische Aufbau des gesamten Körpers ist. Wir beschränken uns nicht nur auf den Kehlkopf, wie es viele tun, sondern sehen und lernen das Ganze. Wir schauen uns die topografische Anatomie an (Was liegt wo?) und wir schauen auf die funktionelle Anatomie (Was im Körper macht was?).
Denn der Körper ist unser Instrument und deshalb ist es wichtig, ihn zu kennen. Das sagen viele, aber wissen sie auch, wie genau er das macht? Oder noch eher, wie genau wird ein Körper zu einem Instrument?
Das ist ein Wissen, was für Sänger:innen auch nützlich sein kann, aber für Pädagog:innen auf alle Fälle wichtig ist. Ich persönlich finde es notwendig. (Aber darüber gibt es sehr geteilte Meinungen.)

Die Rabine-Methode sieht sehr klare Zusammenhänge zwischen:
- Körperhaltung- und bewegung
- Atmung
- Stimmfunktion
All das können wir genau im Körper auch beim Unterrichten sehen. Und damit auch die Physiologie des Körpers viel besser verstehen.
Physiologie als Basis des Körperwissens in der Rabine-Methode
Die Physiologie ist ein Teilgebiet der Biologie. Im Gegensatz zur Anatomie beschäftigt sie sich mit den Lebensvorgängen im Organismus, d.h. den funktionellen Abläufen (physikalisch und biochemisch).
Es ist zum Beispiel interessant zu verstehen, wie Schleimhäute aufgebaut sind, gerade wenn es um den Kehlkopf und die Schleimhaut der Stimmlippen geht, damit wir Schwingungsverhalten besser verstehen können. Denn das ist unser Instrument, von dem wir den Primärklang erhalten, der dann verstärkt wird und auf dem wir mitunter unser gesamtes Sänger:innenleben aufbauen.
Biologie und Schutzsysteme in der Rabine-Methode
Biologie ist die Wissenschaft von der belebten Natur. Sie beschreibt und untersucht die Erscheinungsformen lebender Systeme, sei es auf molekularer Ebene, bei Organismen oder in Ökosystemen.
Das ist insofern ein interessantes Themengebiet für uns, weil auch die körperlichen Abläufe von Hormonen oder auch Verhaltensweise in unserer Umwelt eine große Rolle für die Stimmgebung spielen.
Hormone betreffen gerade uns Frauen immer wieder sehr. Seien es die Wirkungen von Contrazeptiva auf die Stimme oder die Phasen, wenn wir unserer Periode haben oder in die Wechseljahre kommen. Schwangerschaft und Geburt haben große Einflüsse auf die Stimme.
Wir haben viele biologische Abläufe und Funktionen, die sich mehr oder weniger auch auf unsere Stimmfunktion beziehen. Und dabei ist es uns sehr wichtig zu verstehen, dass wir biologische Primärfunktionen haben, die für unser Leben und Überleben wichtig sind. Es ist wichtig, sie zu beachten, wenn wir die gleichen körperlichen Funktionen differenziert für den Gesang nutzen wollen. Singen, Atmen und Körperhaltung- und -bewegung sind immer Sekundärfunktionen. Oder wie ich gern sage: Überleben ist wichtiger als das hohe C. Aus diesem Wissen habe ich übrigens auch meinen Claim entwickelt.
Das bedeutet, wann immer wir mit Schutzsystemen arbeiten, wie wir es beim Singen tun – denn wir differenzieren des gesamten Bereich von Kieferöffnung bis Stimmlippenschwingung – sind wir tief in unserer Biologie.
Primärfunktion der Stimme
Was für Eugen eine wichtige Frage gewesen ist und was ich auch im Zusammenhang mit dem Nervensystem betone, ist das Verständnis der Primärfunktionen unseres Körpers.
Wenn wir wissen, dass die Primärfunktion unserer Stimmlippen und Taschenfalten die Funktion der Ventile für Luft- und Atemregelung ist, dann gehen wir anders damit um. Dann ist es gut, sich die Funktion dort genau anzuschauen und zu sehen, wie wir die biologische Funktion am besten fürs Singen nutzen können. Denn sobald wir gegen die biologische Funktion beim Singen arbeiten, werden wir über kurz oder lang Probleme mit unserer Stimme bekommen. Unabhängig davon, ob wir erfolgreich sind, schön klingen oder gute Kritiken bekommen.
Und wenn beispielsweise klar ist, dass unser Nervensystem neben der Kommunikation vor allem dazu da ist, den Körper, den Organismus am Leben zu erhalten wissen wir, dass Sicherheit die oberste Priorität hat. Und deshalb nochmal zurück zum Inhalt meines Claims: Unserem Nervensystem ist das Hohe C total egal, denn es gilt „safety first“.
Dazu ist auch mein Blogartikel über die Schutzsysteme der Stimme interessant und macht das Thema anhand des Gesangs nochmal sehr deutlich.
Neurologie / Neurowissenschaften – Anwendung in der Rabine-Methode
Die Neurologie ist die Wissenschaft vom Aufbau und von der Funktion des Nervensystems. Und damit sind wir natürlich auch mit dem Gehirn beschäftigt. Medizinisch gesehen beschäftigt sich die Neurologie mit den Erkrankungen und der Therapie, aber das ist für uns als Singende nur dann von Bedeutung, wenn etwas nicht mehr stimmt.
Viel spannender für uns in der Rabine-Methode sind die Möglichkeiten, wie wir die Stimme noch tiefer verstehen können und vor allem effektive Übungen erfinden können, um zum Ziel zu gelangen. Auch all die Prozesse rund um die Frage, wie wir lernen und was die besten Methoden sind, gehören in dieses Fachgebiet und das ist für das Erlenen des Singens immer wieder von entscheidender Bedeutung.
So entstand neben vielen tollen Übungen, die direkt über ihre neurologischen Verbindungen wirken auch die Idee, dass das sensomotorische Wahrnehmungstraining die geeignetste Methode ist, um zu lernen.
Ich habe mich viel mit dem Nervensystem beschäftigt, teilweise eigene Übungen entwickelt und teils Übungen nochmal verständlicher darstellen können als ich mir die Hirnnerven und ihre immense Bedeutung für die Stimme klar gemacht habe.
Hier ein Ausschnitt aus meinen Blogartikeln zum Thema Stimme und Hirnnerven:
N. Vagus und die Stimmlippen – Der Kehlkopf beim Singen
N. Glossopharyngeus und der Vokaltrakt – Der Vokaltrakt im Singen
N. Facialis und Gesang – Die Mimik beim Singen
N. Trigeminus und die Kieferöffnung – Öffnung und Singen
Psychologie im Unterricht nach der Rabine-Methode
Die Wissenschaft von den bewussten und unbewussten psychischen Vorgängen, Erleben und Verhalten des Menschen.
Auch die Psyche spielt beim Singen eine große Rolle. Das ist auch wissenschaftlich schon in weiten Teilen erforscht worden. Es gibt mehr als nur Anzeichen dafür, dass Singen die Gesundheit fördert. Und es gibt vielerlei Begründungen, woher all diese Effekte kommen könnten. Es ist sehr gut, darüber Bescheid zu wissen, denn durch unsere Arbeit als Gesangspädagog:innen werden wir immer wieder mit dem Phänomen konfrontiert, dass unsere Sänger:innen emotional von dem, wie sie singen mehr als berührt werden können. Alte Traumata können aufsteigen, es können angenehme und sehr unangenehme Erinnerungen aufsteigen. Und es ist wichtig, die Zeichen zu erkennen und im Ernstfall, auch auffangen und halten zu können, was von unseren Sänger:innen kommt.
Und gleichzeitig ist es sehr wichtig immer zu wissen, dass wir als Gesangspädagog:innen engagiert sind und nicht als Therapeut:innen. Auch dieses Wissen ist in die Methode integriert, indem wir sehr deutlich erklären, welche Verbindungen von Stimme, Psyche und Körper wir kennen und wie wir damit umgehen können. Damit der Unterricht sowohl für uns als Pädagog:innen als auch für unsere Sänger:innen sicher ist.
Evolution spielt in der Rabine-Methode eine wichtige Rolle
Das ist vielleicht das Gebiet, was am weitesten weg von der Stimme und dem Gesang erscheint. Aber die Frage, woher sich die Stimmfunktion entwickelt hat, die heutzutage in der Lage ist, alle möglichen Geräusch, viele, viele Tonhöhen und die Arie der Königin der Nacht hervorzubringen, lässt uns ebenfalls mehr verstehen.
Ich selbst habe mich da sehr eingelesen und fand das Gebiet immer spannender zu verstehen, wie verschiedene Klimaverhältnisse, Erdgeschichtsphasen und vieles mehr einen Einfluss auf unsere Atmung und die entsprechenden Ventile hat, so dass wir heutzutage etwas so differenziertes wie den westlichen Operngesang und viele andere Möglichkeiten erschaffen können.
Zusammengefasst in einem Satz könnte man sagen:
Aus all dem kann man erkennen, dass es sich bei der Rabine-Methode um eine sehr ganzheitliche Methode handelt, die versucht, den Sänger und die Sängerin in ihrem ganzen Sein und ihrer Körperlichkeit und der Umgebung, in der sie sich aufhält, zu verstehen und zu erfassen.
Was ist das Kennzeichen der Ausbildung in der Rabine-Methode?
Ein wesentliches Merkmal der Rabine-Methode ist die Vielseitigkeit der Inhalte.
Wenn man die Grundausbildung zum CRT (certified Rabine teacher) macht, gibt es sehr unterschiedliche Dinge zu lernen. Neben den oben genannten wissenschaftlichen Grundlagen beschäftigen wir uns mit:
- praktischer Anwendung des Wissens durch speziell wirkende Körperübungen
- Stimmübungen, die einzelne Aspekte der Stimmfunktion ansprechen und erfahrbar machen
- Grundlagen des Lernens
- Unterrichtspraxis
- ergänzende Themengebiete wie Neurowissenschaft und Faszienarbeit
- Kommunikation mit uns selbst und unseren Schüler:innen
Durch all diese unterschiedlichen Themengebiete ist eine echte Methode mit einer Pädagogik und Methodik entstanden, die auf Basis der Stimmfunktion steht.
Die Methode besteht nicht nur aus Körperübungen
Oft denken Sänger:innen, wenn sie die Übungen, besonders die Körperübungen der Methode kennen, dann sei das die Methode.
Das ist viel zu kurz gedacht.
Wir sind mehr als unsere Körperübungen. Das ist ein großes Missverständnis, auf das ich immer wieder treffe. Wir sind definitiv mehr als ein Rezeptbuch. Man kann nicht sagen: Nimm die Beinhebung für die Bruststimme, nimm die seitliche Armhebung für die Kopfstimme.
Und doch nutzen viele mittlerweile unsere extrem effektiven Körperübungen genau auf diese Art und Weise. Und auch ich habe sie in meinem Blogartikel 5 Übungen aus der Rabine-Methode sehr ähnlich beschrieben. Denn das ist eine Möglichkeit, Sänger:innen sehr schnell eine Erfahrung zu vermitteln, wie Körper, Atmung und Stimmfunktion zusammen gehören.
Aber diese Methode enthält noch deutlich mehr. Es ist eine gesamte Art zu lernen und Gesang zu vermitteln. Das funktionale Stimmtraining vermittelt ein Handwerk, im besten Sinn des Wortes. Und die Methode an sich vermittelt Wissen, was man als Gesangspädagog:in braucht, um wirklich individuell hören, sehen und unterrichten zu können.
Wie hat sich die Rabine-Methode entwickelt?
Ihr Begründer Eugen Rabine hatte zu Beginn viele Fragen, die Physiologie der Stimmfunktion betreffend. Er hat sich mit ganz unterschiedlichen Menschen ausgetauscht, u.a. mit Cornelius Reid, dem Begründer aller funktionalen Methoden. Allerdings haben sich schon ganz von Beginn an beide Ansätze sehr stark voneinander unterschieden. Aber er war für Eugen ein wichtiger Mensch, mit dem er anscheinend seine Ideen und Ansichten in den USA diskutieren konnte.
Nachdem Eugen nach Deutschland gekommen war, war Walther Rohmert vom Arbeitswissenschaftlichen Institut Darmstadt ein wichtiger Mensch für ihn. Dort haben sie in einem Forschungsprojekt die Ideen weiter mit wissenschaftlichen Methoden mit professionellen Musiker:innen als Probanden erforscht.
Aber auch diese Zusammenarbeit endete und Eugen Rabine gründete sein eigenes Institut, wo er sein Ideen allein und mit Hilfe seiner Schüler:innen weiterentwickelte.
Seit dem Tod von Eugen Rabine 2018 leitet Uwe Götz das Rabine-Instituts. Als Team mit den pädagogischen Mitarbeiter:innen evaluieren wir, was funktioniert und wo wir klarer werden können und sollten. Momentan sind wir in einem Prozess, die Übungen, die Eugen uns hinterlassen hat in ein einheitliches Konzept zu bringen und die Methodik, wie die Methode gelernt werden kann durch Weiterentwicklung der Supervisionsstruktur versteh- und lernbarer zu gestalten.
Für wen ist die Rabine-Methode geeignet?
Die Rabine-Methode ist für alle geeignet, die mit ihrer Stimme arbeiten. Entwickelt wurde sie speziell für den klassischen westlichen Kunstgesang. Aber natürlich ist sie genauso gut geeignet, wenn es um populäre Gesangsstile geht. Denn es geht um die Stimmfunktion und die nutzen wir alle, egal welche Art von Stimmanwendung wir benötigen.
So kann man auch sehr gut mit der Sprache an sich arbeiten. Vor allem der Klang der Sprache transportiert eine Menge an Information und Emotion und das eben nicht nur über die Musik. Wir wir mit jemandem sprechen hat eine Wirkung direkt auf das Nervensystem meines Gegenübers, im Konzert und im persönlichen Kontakt. Und um dieses Handwerkszeug zu lernen eignet sich die Rabine-Methode sehr, denn sie hat unglaublich viele Möglichkeiten auf die ganz individuellen Stimmen unseres Gegenübers einzugehen.
Ganz praktisch ist sie für Sänger:innen jeden Stils anwendbar, für Schauspieler:innen, aber auch viel in der Logopädie und Sprachheilkunde. Sie sucht immer zuerst die gesunde Stimmfunktion und ihren Bezug zum Körper.
Interessanterweise konnte ich schon feststellen, dass auch Bläser und Streicher von den Übungen dieser Methode profitieren konnten. Da kommt wieder die Ganzheitlichkeit zum Vorschein und die Pädagogik, die sich auf andere Gebiete übertragen lässt.
Wie läuft eine Stunde nach der Rabine-Methode ab?
Ein Teil unserer Pädagogik ist ein klarer Stundenaufbau. Sehr wichtig sind dabei die Unterrichtsphasen.
Kontaktphase – Einstimmung
Wir starten immer mit einer Kontaktphase. Sie dient dazu, dass sowohl du als Sänger:in als auch ich als Pädagog:in erst einmal Kontakt zu sich selbst aufnehmen können. Denn jeder Sänger, jede Sängerin fühlt sich an verschiedenen Tagen anders an, klingt anders. So ist es gut, wenn wir beide eine kleine Weile für die Einstimmung nehmen. Je nachdem wie gut wir uns kennen, kann das sehr schnell gehen oder manchmal bei jemand Neuem auch die ganze Stunde gehen.
Wichtig ist dabei, dass du als die Sängerin deine erste Übung aussuchst. Denn zum einstimmen ist es wichtig, dass man die Dinge nutzt, die einem gut tun, wo man sich wohl und sicher fühlt. Ich werde in dieser Phase noch nicht wirklich korrigieren. Denn für mich geht es darum, erst einmal Informationen zu sammeln. Ich schlage vielleicht weitere Übungen vor. Nicht weil ich zu diesem Zeitpunkt schon etwas verbessern möchte, sondern weil ich Informationen über dich als Sängerin und deine Stimme heute gewinnen möchte. Das ist das Ziel einer so genannten Kontaktphase innerhalb der Rabine-Methode.
Entwicklungsphase – die „eigentliche“ Arbeit
Das ist die Phase, wo wir in die Arbeit einsteigen in der Art, dass wir aus dem, was da ist und schon gelernt ist, etwas Neues entwickeln können. Ich arbeite viel mit Vergleich. Wende ich z.B. eine Körperübungen an, die beispielsweise die Atmung unterstützt, wechseln wir ab, mit und ohne Körperübung zu singen. So kannst du fühlen, was sich verändert, was effizienter sein könnte. Durch den Unterschied spürst du, was du vorher gemacht hast und was du verändern möchtest.
An dieser Stelle ist immer Platz, die Vorschläge auch abzulehnen. Vielleicht hat dir deine Stimme vorher besser gefallen, vielleicht fühlt es sich anders an. Hier können wir gemeinsam die Vorteile und die Nachteile explorieren.
Abschlussphase oder auch Integrationsphase
Hier integrieren wir die neu dazu gekommenen Möglichkeiten. Z.B. hast du gelernt, in der tiefen Lage die Bewegung der Zunge zu differenzieren, damit du mehr Platz im Vokaltrakt, in deinem Resonanzraum erleben kannst. Der Vokaltrakt hat sich geöffnet, es ist leichter geworden, du hast mehr Klang erlebt, du hast die Bewegung, die nötig war spüren können. Aber um nicht zu viel zu verändern und du dich auf die Änderungen konzentrieren konntest, habe ich dich vielleicht nicht sehr viele Tonhöhenwechsel bisher singen lassen, sondern bin in der tiefen Lage geblieben.
Dann würden wir zum Ende der Stunde ausprobieren, was passiert, wenn du bei den Wahrnehmungen bleibst, die du erfolgreich ausprobiert hast und dabei beginnst, durch die Oktaven zu gehen. Zuerst ein Quintlauf, dann ein Oktavarpeggio und schließlich zwei Oktaven im Arpeggio. Was musst du angleichen, wenn sich die Tonhöhen ändern, wenn sich die Vokale ändern, wenn sich die Geschwindigkeiten ändern?
Übertragung in die Gesangsliteratur
Und dann gilt es ja auch noch, die neuen Skills in die Literatur zu übertragen. Denn sich bei einer Tonleiter wohlzufühlen ist gut und schön, aber eigentlich geht es uns ja in den meisten Fällen um deine Arie oder deinen Song. Also arbeite ich Schritt für Schritt mit dir daran, dass all das auch möglich ist, wenn beispielsweise die Konsonanten im Text dazu kommen, schwierige Tonsprünge enthalten sind, extreme Tiefen oder Höhen vorkommen. Oft nehmen wir die gleiche Körperübung, gehen aus dem Tempo und probieren die Phrasen damit aus. Oder wir nehmen zuerst eine Vokalkombination aus den Übungen und erst dann wieder die originalen Vokale. Hier gibt es eine ganze Reihen von Möglichkeiten, wie du Schritt für Schritt die Dinge in die Literatur übertragen lernst.
Kann die Rabine-Methode auch bei Stimmproblemen helfen?
Das ist eine Frage, die immer wieder aufkommt. Wir sind als Gesangslehrer:innen weder Psychotherapeut:innen noch Logopäd:innen. Deshalb ist es immer sehr wichtig, darauf zu achten, mit welcher Fragestellungen die Sänger:innen zu uns kommen.
Und gleichzeitig haben meine Kolleg:innen und ich schon oft bei starken Stimmproblemen helfen können. Wichtig ist dabei zuerst eine genaue Diagnose eines Phoniaters, einer Phoniaterin, denn ein Terminus wie psychogene Dysphonie hilft niemandem weiter, am wenigsten den Sänger:innen. Wenn medizinisch alles abgeklärt ist und es keine Bedenken gibt, dann können wir sehr gut weiterhelfen.
Denn wir nehmen immer die gesunden Stimmfunktion als Maßstab. Die Fähigkeit über das funktionale Sehen und Hören die entpsrechenden Übungen herauszufinden ist unser Spezialgebiet.
Und machen wir uns nichts vor. Einge Menge Sänger:innen haben heutzutage Stimmprobleme. Und die allermeisten davon rühren von einer uneffizienten Gesangstechnik, die durch überzogene Erwartungen, wie leistungsfähig eine Stimme sein sollte kommen können. Manche Sänger:innen singen zu viel, singen zu laut, singen mit viel zu viel Druck, so dass die Stimme auf Dauer Schaden nehmen kann. Manches kann und sollte operiert werden, aber auch dann stellt sich spätestens hinterher die Frage: Und jetzt? Wie lerne ich um? Was braucht meine Stimme, um auf Dauer gesund zu sein, zu bleiben?
Und genau an der Stelle eignet sich diese Methode besonders gut, weil sie die Physiologie der Stimme sehr genau in ihren Übungen berücksichtigt.
Häufige Fragen zur Rabine-Methode (FAQ)
WAS UNTERSCHEIDET DIE RABINE-METHODE VON ANDEREN METHODEN?
Die Rabine-Methode geht von der Stimmfunktion direkt aus, sie nimmt die Stimmlippenschwingung als Ausgangspunkt der Stimme. Es ist also nicht in erster Linie die Veränderungen, die wir im Vokaltrakt gestalten, sondern die Stimmfunktion direkt. Natürlich müssen Vokaltrakt und Stimmlippen zusammenarbeiten, aber es macht einen Unterschied, wo ich den Ausgangspunkt der Stimme sehe. Sie konzentriert sich nicht auf eine Klangästhetik oder ein Ideal, sondern auf funktionale Abläufe. Das heißt: Stimme wird als dynamisches Zusammenspiel von Körper, Atmung, Vokaltraktgestaltung und Stimmlippenschwingung verstanden. Und ein weiterer großer Unterschied zu den allermeisten Methoden: wir lehrer nicht durch Vorsingen und Imitation, sondern durch senso-motorisches Wahrnehmungstraining.
IN WELCHEN STILRICHTUNGEN KANN ICH DIE RABINE-METHODE ANWENDEN?
Die Methode ist nicht an einen Musikstil gebunden. Sie ist für den klassischen Gesang entwickelt worden, aber da sie auf grundlegenden Körper- und Stimmfunktionen aufbaut, ist sie sowohl für klassische als auch für populäre Gesangsstile anwendbar.
WIE SCHNELL SPÜRE ICH VERÄNDERUNGEN?
Viele Sänger:innen berichten schon nach wenigen Stunden von mehr Leichtigkeit und Klarheit. Die meisten sogar innerhalb der ersten Gesangsstunde. Nachhaltige Veränderungen entstehen, wenn du regelmäßig übst und dir Zeit für den Lernprozess gibst.
BRAUCHE ICH VORERFAHRUNG, UM MIT DER RABINE-METHODE ZU ARBEITEN?
Nein. Ein geschultes Körperbewusstsein kann hilfreich sein, aber die Übungen selbst fördern genau diese Wahrnehmung. Die Methode ist für Anfänger:innen und Profis gleichermaßen geeignet.
KANN DIE RABINE-METHODE BEI STIMMPROBLEMEN HELFEN?
Ja, sie unterstützt den Heilungsprozess, indem sie die funktionalen Muster wieder in eine Balance bringt. Gerade in der Umlernphase einer Gesangstechnik, die z.B. zu Stimmbandknötchen geführt hat, ist sie eine große Hilfe. Aber auch bei anderen Themen wie Reflux (in bestimmten Fällen und mit bestimmten Ursachen) ist sie sehr unterstützend.
Wichtig ist jedoch: medizinische Ursachen müssen vorab ärztlich abgeklärt sein. Und die Zusammenarbeit mit einer Logopädin / einem Logopäden mit Ausbildung in der Rabine-Methode ist immer von großem Vorteil.
WIE SIEHT EINE TYPISCHE UNTERRICHTSSTUNDE AUS?
Eine Stunde besteht aus Wahrnehmungsübungen, meist Körperübungen, Atem- und Stimmübungen sowie u.U. der Anwendung im Stück. Alles wird individuell an die Entwicklungsphase der Sängerin angepasst. Es gibt keinen starren Übungsplan, der zu absolvieren ist.
WIE KANN ICH SELBST RABINE-LEHRER/IN (CRT – certified Rabine teacher) WERDEN?
Über die zertifizierte Ausbildung am Rabine-Institut. Dort werden Gesangspädagog:innen in 4-jähriger Grundausbildung geschult. Die Ausbildung endet mit einer theoretischen und praktischen Prüfung und einem Zertifikat. Teil der Ausbildung sind regelmäßige Unterrichtsstunden bei einem zertifizierten CRT und Supervisionen für den pädagogisch-methodischen Anteil der Ausbildung. Wenn alle Voraussetzungen am Ende erfüllt sind gibt es ein Zertifikat.
WELCHE ROLLE SPIELT DAS NERVENSYSTEM IN DER RABINE-METHODE?
Eine sehr große. Die Stimme ist eng mit dem Nervensystem verbunden, schon allein dadurch, zwei sehr wichtige Hirnnerven Stimmlippen und Vokaltrakt innervieren. Die Rabine-Methode nutzt Wahrnehmung, um dieses Zusammenspiel zu regulieren. Das senso-motorische Wahrnehmungstraining verknüpft die Sinne (senso-) mit der Bewegung (motorisch). So entsteht eine Gesangstechnik, die Sicherheit schafft und Hand in Hand mit unserer Biologie arbeitet.
GIBT ES GRENZEN IN DER RABINE-METHODE?
Ja. Sie ersetzt keine medizinische Behandlung. Bei ernsten Stimmproblemen braucht es die Zusammenarbeit mit Ärzt:innen oder Therapeut:innen. Die Methode ist dann eine wertvolle Ergänzung und kann zu einer vielleicht deutlich gesünderen neuen Gesangstechnik verhelfen.
WIE FINDE ICH EINE LEHRER:IN, DIE NACH DER RABINE-METHODE UNTERRICHTET?
Am besten über die offizielle Liste des Rabine-Instituts, wo du gezielt nach zertifizierten Rabine-Lehrer:innen (CRT, CRMT) in deiner Region suchst. Und dann ist es wie in jeder Methode: Mit manchen passt es besser als mit anderen. Probiere also aus, ob die Methode und auch die entsprechende Lehrerin zu dir passt.
Was ist die Rabine-Methode für mich?
Zuallererst eine sehr ganzheitliche Methode, die wirklich alles mit einbezieht. Und wenn sie es noch nicht mit einbezogen hat, dann ist auf alle Platz, etwas Neues mit zu integrieren. So hat sich die Methode, die ich seit 1990 kenne und lehre in der Zeit verändert. Durch neue Erkenntnisse, durch neue Erlebnisse und durch immer neue Menschen, die sie erlernt haben. Und wir haben untereinander und in unseren Treffen mit Eugen viel miteinander diskutiert.
Zudem hat sie mir meine Stimme gerettet. Denn zu dem Zeitpunkt als ich Eugen Rabine kennenlernte war ich auf einem Tiefpunkt meines sängerischen „Könnens“ angekommen. Du möchtest mehr über meine Story wissen? Du möchtest wissen, wie ich zu der Gesangsmentorin geworden bin, die ich bin? Beides findest du hier auf meinem Blog.
Und alle, die wir viele Jahre mit dieser Methode arbeiten, eint der Wunsch, sie möglichst nutzbringend für unsere Schüer:innen anzuwenden und immer mehr zu verstehen, was die Stmme ist und wie wir gut mit ihr umgehen können.
Ich bin seit über 30 Jahren in der Methode beschäftigt und habe meine eigene Sichtweise. Sie ist geprägt von meinen persönlichen und sängerischen Erfahrungen und meinem Wachstum als Mensch.
Du möchtest noch mehr in dieser Methode erfahren? Schau auf die Seite, wo du erfährst, welche Kurse ich anbiete und WIE DU MIT MIR ARBEITEN KANNST.

7 Gedanken zu „Was ist die Rabine-Methode?“
Liebe Hilkea,
vielen Dank für deine übersichtlichen aufschlussreichen Artikel zur Rabine-Methode. Eigentlich wollte ich gern mal Gesangsunterricht nehmen, wie das Leben aber so spielt, bin ich leider bis dato noch nicht dazu gekommen. Dein Artikel zeigt mir allerdings auch, dass Singen lernen vermutlich nicht so nebenbei geht, da steckt ja enorm viel dahinter!
Das Projekt Gesangsstunden werde ich dann wohl etwas aufschieben, bis ich zumindest keine Säuglingsmama mehr bin und wieder etwas mehr Zeit habe.
Viele Grüße,
Veronika
Herr Rabine, ja, der „sichere Hafen der Stimmfunktion – ein wirklich stabiler Anker in den stürmischen See der Stimme! Man fragt sich manchmal, ob die Anatomie- und Neurologie-Phasen eher für einen Medizinstudenten denn für einen Sänger sind. Aber ja, das Verstehen der Primärfunktion, der Ventile und des Nervensystems, das ist ja, wie man sagt, „safety first – wichtiger als das hohe C, ja, klar! Und das mit dem Fehlerrad und der Fehlerkultur – hervorragende Analyse, besonders für Klavierspieler mit Mozart-Schwierigkeiten. Nur, manchmal wünschte man sich in dieser wissenschaftlichen Welt doch mal einen kleinen, sanften Imitationsspruch vom Professor – aber das ist wohl genau der Punkt: eigene Wahrnehmung, keine Imitation!
Herr Rabine, ja, der „sichere Hafen der Stimmfunktion – ein Ort, wo man die Nervensystem-Alarmstufe „Hohe C einfach ignorieren kann! Die Idee, die Stimme nicht über Imitation, sondern über „Wahrnehmung zu lernen, ist ja brillant – nahezu philosophisch. Aber „Fehler sind gut gemeint? Hm, als Klavierschüler war ich mal sehr erleichtert, als der Professor endlich aufhört, mich für jeden falschen Takt zu bestrafen und stattdessen nur fragt, was ich *wirklich* wahrnehme. Vielleicht ist das ja der ultimative Weg, um nicht nur Gesangspädagogen, sondern auch die Welt zu beruhigen. Und ja, wir sind definitiv mehr als unsere Körperübungen – man könnte fast sagen, ein Rezeptbuch wäre nur die Spitze des Eisbergs. Langsam verstehe ich, warum die Methodik so komplex ist!
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