Hilkea Knies, Wald, Park

Trauma und Stimme – eine Kriegsenkel-Thematik?

Ein Thema, was mir immer wieder im Gesangsunterricht begegnet, ist der Zusammenhang zwischen Trauma und Stimme. So richtig offen thematisiert habe ich es bisher nicht, aber da ich Spezialistin für autonomes Nervensystem und Stimme bin, eine Ausbildung in Somatic Experiencing gemacht habe, liegt es nah, die beiden Dinge in Beziehung zu setzen.

Deshalb mache ich sehr gern bei der Blog-Parade von Dr. Iris Wangermann mit, die sich ausführlich mit dem Thema „Wann wurde mir das erste Mal bewusst, dass ich Kriegsenkel bin“ beschäftigt hat.

Die Kriegsenkel Thematik gehört für mich unter den Oberbegriff der Entwicklungstraumata. Darunter verstehen wir viele unterschiedliche Bezüge, die es uns als Kindern nicht erlaubt haben, uns frei zu entwickeln und zu entfalten, weil wir bestimmten Erziehungsmethoden ausgesetzt waren. Wir wurden nicht adäquat berührt, wir durften unsere Wünsche nicht äußern oder / und es wurde ihnen keine Beachtung geschenkt. Unsere Bedürfnisse, die wir durch Schreien als Babys ausgedrückt haben, wurden ignoriert und noch vieles Andere.

Am Anfang, als ich mich damit begann, zu beschäftigen war ich vor allem eins: WÜTEND!!!

Mein persönlicher Bezug zum Thema „Kriegsenkel“

Sehr früh habe ich mich mit meinen emotionalen Themen auseinander setzen müssen. Mit 12 war ich in einer Gesprächstherapie wegen Asthma, ab Ende 20 dann in der Körperpsychotherapie. Denn ich merkte, dass meine Atmung, die für mich als Sängerin entscheidend wichtig ist, von noch mehr Faktoren abhängig ist als dem Erlernen der richtigen Atemtechnik. Auch hier leitete mich mein vorhandenes Asthma auf dem Weg zu mehr Heilung auf körperlicher und psycho-emotionaler Ebene. Ich las die Bücher von Sabine Bode über die Kriegsenkel und Kriegskinder. Ich begann die Geschichte meiner Eltern und auch meine eigene noch einmal ganz anders zu verstehen. Und ich wurde mir vieler Dinge in meiner Ausbildung in Somatic Experiencing bewusst. Heike Gattnar hatte einen ganzen, sehr beeindruckenden und bewegenden Tag zum Thema „Transgenerationales Trauma“ geleitet. Vom 30-jährigen Krieg bis heute. Diese Themen haben einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen.

Ich glaube auch, dass viele der AHA-Momente in meinem Leben mit diesem Thema zu tun hatten. Dass meine ganze berufliche Entwicklung davon durchzogen ist. Ohne dass ich es wusste, war Trauma und Stimme immer ein Teil von mir gewesen.

Gerade die viele Wut, die ich mit mir herumtrug, die laute und harte Stimme, die mich damals kennzeichnete, waren ein Teil davon. Durch die vielen Sessions im Bereich Somatic Experiencing, die ich genommen habe, ist die Wut irgendwann der Trauer gewichen. Und dann folgte ein tiefes Verständnis für mich und meine ausgehungerte Seele. Damit einher ging ein großes Mitgefühl für das Leben meiner Eltern und deren Eltern, eigentlich meiner ganzen Ahnenlinie, die mich hervorgebracht hat. Und meine Stimme fing an, sich sehr deutlich zu verändern.

Trauma und Stimme – Ich bin eine Kriegsenkelin

Ich habe in meinem Leben sehr viele Lehrer und Lehrerinnen gehabt, deren Einflüsse ich in meiner Arbeit spüre. Und ich bin ihnen zutiefst dankbar, gerade jetzt, wo ich darüber schreibe. Und für die Verbindung von autonomem Nervensystem und Stimme sind zwei Methoden und damit zwei Menschen maßgeblich für mich geworden.

Mit Ende 20, als ich noch im Studium war und sehr mit meiner Stimme am Hadern, lernte ich Eugen Rabine und seine Rabine-Methode für funktionales Stimmtraining kennen. Das war wie eine Erleuchtung auf stimmlicher Ebene für mich. Auf einmal hatte ich etwas, was meinen Zugang zur Stimme auf eine ganz neue Art und Weise herstellte. Und es ermöglicht mir bis heute zu singen. Und vor allem konnte ich wirklich effektiv und erfolgreich unterrichten. Etwas, was bei all meinen Ausgangsbedingungen nicht selbstverständlich ist.

Ein weiterer Meilenstein kam viel später durch das Somatic Experiencing. Es machte mir schlagartig klar, worin meine psycho-emotionale Problematik lag, die ich mein Leben lang schon mit mir herumtrug. Sie war mir immer bewusster geworden, vieles wusste ich an Erlebnissen und Erfahrungen, die mich zu der Frau gemacht hatten, die ich war. Aber wirklich tief ändern konnte ich all die Jahre nicht so viel.

Doch mit der Arbeit am autonomen Nervensystem, dem Verständnis und dem Erleben meiner neuro-physiologischen Zustände und der massiven Auswirkungen auf Körper, Geist und Emotion änderte sich sehr vieles in meinem Leben. Ich begann zu verstehen, was ich als Kriegsenkelin für ein Nervensystem mitbekommen hatte. Und auch, was die Erfahrungen meiner Eltern mit mir gemacht hatten. Das hatte mein ganzes Leben bestimmt und vor allem hatte es den Umgang mit meiner Stimme bestimmt. Diese Erkenntnis war nicht leicht und hat mich manche Träne gekostet.

Über die vielen Jahre Therapie und Selbsterfahrung lernte ich mehr und mehr, mein Nervensystem zu regulieren. Und irgendwann auch, meine Stimme dafür zu nutzen. Das war ein wirklicher Game-changer in meinem Leben.

Trauma braucht Ressourcen, Zeit und Ruhe

Als Ressourcen bezeichnen wir ganz allgemein alles, was uns guttut. Etwas, wo wir auftanken können. Das tut allen Menschen gut und ist wichtig für alle. Wo finde ich die Zeit, Ruhe und Langsamkeit, dass mein Nervensystem sich regulieren kann, wie wir es nennen.

Ich fühle mich zum Beispiel sehr lebendig, wenn ich wandern gehe. Oft bin ich im Allgäu, aber auch in den Alpen unterwegs. Wenn keine Geräusche außer denen der Bäume und Tiere an mein Ohr dringen, überkommt mich oft eine Ruhe, die ich als überzeugte Städterin selten finde. Die stetige langsame Bewegung tut gut, nach spätestens 20 Minuten im Gehen spüre ich, wie mein ganzer Körper, besonders mein Becken auf einmal anfängt, sich komplett anders in Bewegung zu organisieren. Es entsteht eine Leichtigkeit und Geschmeidigkeit, die ich so nur in der Natur erfahren kann. Selbst wenn ich langsam bin, die Luft oft nicht auszureichen scheint, denn mein Asthma macht sich beim aufwärts wandern immer wieder bemerkbar, kehrt ein Frieden in mir ein, der seinesgleichen sucht.

Der zweite Ort ist das Wasser. Schwimmen, im möglichst unbekleideten Zustand, gibt mir immer wieder ein Gefühl von Frieden und Weite. Das Wasser streichelt meine Haut, mit seiner Wärme oder Kälte. Mit seiner Weichheit, manchmal mit zarter Algenbewegung. Es ist, als könne ich mich in einer Art Unendlichkeit verlieren, in meinen Rückenschwimmbewegungen. Das Schauen des Himmels, die Luft von außen spürend und das Wasser, das mich überall am Körper umfließt. Dieses Gefühl von Frieden und Unendlichkeit erlebe ich nur schwimmend im Wasser.

Erstaunt bin ich über meine Reaktion auf Wasser und Schwimmen nicht. Denn wir Menschen sind haptische Wesen. Wir brauchen Berührung für unser Überleben. Und da gehört die Eigen- und Fremdberührung dazu. Wir schütten Oxytocin aus bei adäquater, nährender Berührung. Ich kann das im Wasser immer wieder spüren.

Ressourcen in der Arbeit mit der Stimme

In meinem Gesangskurs „Die Nervenstarke Stimme“ habe ich mit vielen Sänger:innen gearbeitet, die Interesse am Zusammenhang von autonomem Nervensystem und Stimme haben. Ich bin immer wieder überrascht, wie tiefgreifend und wie schnell Änderungen in der Stimme und im Gesang sein können, wenn wir den Fokus auf diesen Aspekt richten.

In diesem Kurs konnten wir alle miteinander in die Ruhe kommen. Sowohl ich als Anleiterin, aber vor allem auch die Sänger:innen. Sie haben auch von mehr Ruhe bei ihren Auftritten und in ihrer Stimme überhaupt gesprochen.

Ich selber erlebe es auch im Einzelunterricht immer wieder, dass ich am Ende einer Stunde deutlich ruhiger und entspannter bin als vorher. Denn die Stimme ist auch eine große Ressource. Sowohl, wenn wir sie hören als auch, wenn wir selbst tönen und singen. Ich kann es mittlerweile auch im Sprechen spüren, wenn ich wirklich atme und eher langsam spreche.

Im kommenden Jahr werde ich diesen Kurs verfeinern und noch tiefer in dies Gebiet einsteigen. Denn diese Arbeit ist ein Herzensprojekt von mir. Und ich liebe es, mit Sänger:innen zu arbeiten, die auf der Bühne stehen, denn sie sind vielen Einflüssen ausgesetzt, derer sie sich häufig nicht bewusst sind.

Kursausschreibung Nervenstarke Stimme, im weitesten Sinn Trauma und Stimme als Thema
Du kannst dich hier auf die Warteliste setzen lassen.

Das autonome Nervensystem ist immer präsent und beeinflusst sowohl den Klang unserer Stimme als auch die Wirkung, die wir mit unserer Stimme auf andere erzielen.

Sicherheit – ein wichtiges Thema im Gesangsunterricht

Nun sind allerdings Trauma und Stimme nicht die Themen, weshalb Menschen zu mir kommen. Die Menschen, die zu mir kommen, singen. Entweder professionell auf der Bühne oder ambitioniert im Chor. Und manchmal wollen sie überhaupt erst einmal wissen, ob sie eine Stimme haben.

Schon diese Formulierung „eine Stimme haben“ ist spannend, denn jeder Mensch hat eine Stimme. Doch nutzen wir sie? Setzen wir sie ein? Sind wir hörbar? Trauen wir uns, hörbar zu werden? Bei vielen Menschen, und das betrifft Männer wie Frauen gleichermaßen, gibt es große Themen rund um ihre Stimme. Entweder gefällt ihnen der Klang nicht oder ihre Stimme scheint nicht belastbar zu sein, sie werden schnell heiser. Und da geht es um grundlegende Themen, ob ich erlauben darf, dass meine Stimme lauter wird, dass sie mehr Klang, mehr Raum bekommt. Und dazu gehört dann sehr oft eine Änderung in der Art, wie man sich selbst wahrnimmt. Das ist immer wieder ein sehr berührender und persönlicher Prozess, wenn ein Mensch feststellt, wie sehr die Stimme sein Inneres widerspiegelt. Stimmentwicklung bedeutet immer auch Persönlichkeitsentwicklung.

Zu mir kommen oft Sänger:innen, die ihre Stimme weiter entwickeln möchten, weil sie entweder Schwierigkeiten im Beruf bekommen oder glauben, dass sie zu mehr fähig sind, als sich momentan zeigt. Da helfen mir sowohl die Rabine-Methode als auch das Somatic Experiencing enorm weiter. Denn mithilfe der beiden Ansätze kann ich hilfreich sein, was stimmtechnische Dinge angeht, aber vor allem auch die Zusammenhänge ins autonome Nervensystem herstellen. Ich habe gelernt, die neurologischen Kenntnisse in die Gesangsübungen auf eine Art zu integrieren, dass meine Sänger:innen neben einer sicheren Technik auch eine viel größere Sicherheit für die Bühne gewinnen.

Denn Sicherheit ist das wesentliche Element, was es uns erlaubt, uns zu entfalten und neue Möglichkeiten in Erwägung zu ziehen und zu lernen.

Stimme und Selbstwertgefühl

Ich habe die Erfahrung gemacht, wenn ich mit Menschen allgemein in tiefere Gespräche komme, dass Selbstwert ein großes Thema ist. Und da hat sich der Kreis bei mir selbst auch geschlossen. Ich habe oft gedacht, das sei mein ganz persönliches Thema. Aber ich glaube mittlerweile, es ist ein Thema einer ganzen Generation. Der Generation Kriegsenkel. Aufgezogen von Menschen, die sich selbst nicht bewusst waren, wer sie eigentlich waren, die so viel mit sich und ihren teils erheblichen Traumata zu tun hatten, wie sollten sie uns geben, was wir brauchten? Die Aufmerksamkeit, das adäquate Gespiegelt-werden? Woher sollten wir unseren Wert nehmen? Wenn wir vor allem eins sollten: bitte, bitte einfach funktionieren. Nicht zu laut sein, nicht zu viele Fragen stellen, nicht zu viel Aufmerksamkeit fordern. Vor allem nicht zu viel Liebe, Berührung, warme Zuwendung fordern. All das war in vielen Situationen zu viel.

Und ich betone es hier noch einmal: sie haben ihr Allerbestes getan, was sie konnten.

Doch ich nehme wahr, dass sie sich selbst nie als diese wunderbaren, einzigartigen Wesen, die sie sind, gesehen haben. Denn wie sollten sie auch? Es ging bei den allermeisten ums nackte Überleben. Wie also sollten sie etwas weitergeben, was sie selbst nicht erleben durften?

Und wenn ich mich mit Freund:innen und auch Schüler:innen näher unterhalte, stellt sich überall heraus, dass diese Thematik schon früh losgegangen ist. Nicht gesehen werden in der Familie, sich immer wieder durch Leistung oder Wohlverhalten die Liebe scheinbar verdienen zu müssen. Die so genannten Entwicklungstraumata spielen eine große Rolle, wenn es darum geht, einen Selbstwert zu entwickeln. Dann natürlich haben wir ihn, einfach indem wir da sind und die sind, die wir sind. Aber das braucht Spiegelung von außen, damit wir es erkennen können. Wir brauchen Sicherheit, damit wir zu uns stehen können. Wir entwickeln sonst Mechanismen, die es uns nicht erlauben, unsere Fähigkeiten realistisch einzuschätzen und uns zu behaupten.

Und in den seltensten Fällen würden wir das Thema unter Trauma und Stimme einordnen und doch hat das einen deutlichen Einfluss, wie ich glaube.

All das hat einen Einfluss, wie ich mich auf der Bühne fühle und wie ich meine Stimme einsetze, welche Gesangstechnik ich bevorzuge und welche Klänge mir in meiner eigenen Stimme vertraut sind.

Stimme und Identität

An den Stimmen ist zu hören, wie selbstbewusst oder eben nicht wir uns erlauben gehört zu werden. Die Stimme erheben ist etwas, was gerade uns Frauen sehr lange nicht zugestanden wurde. Es ist etwas, was sich als Frauen durch unsere Geschichte zieht. Da können wir in der Bibel anfangen, wo ein Herr Paulus meint: Das Weib schweige in der Gemeinde. Und das geht weiter über die katholische Kirche, die den Frauen das Singen in der Kirche verboten hat. Dafür durften dann Knaben und Kastraten herhalten.

Und es geht weiter, dass eine Frau vor gar nicht so langer Zeit nicht das Wort gegen ihren Mann erheben sollte. Wie also singen wir, wenn wir ständig zu hören bekommen, dass wir zu laut, zu schrill und überhaupt zu hörbar sind? Wie werden wir unsere Resonanzräume gestalten, wie Offenheit in unseren Resonanzräumen erleben, wenn wir auf einmal lauter als erlaubt werden?

Im Singen entdecken wir die Fähigkeit, uns selbst auszudrücken, unser Selbst auszudrücken. Wir erfahren uns körperlich, wir werden „laut“, wir werden hörbar. Das ist immer wieder für meine Schüler:innen, die mit dem Singen starten, eine große Freude, Inspiration und oft auch eine Überraschung, wie viel das Singen persönlich bei uns verändern kann.

Und bei professionellen Sänger:innen sind oft viele Zusammenhänge zu den Fragen, die sie in Bezug auf ihre Stimme stellen, zu bemerken, mit Themen, die von früher kommen. Stimme ist Identität. Und wie habe ich meine eigene Identität aufgebaut? Auch im Hinblick auf das, was ich von meinen Eltern mitbekommen habe. Diesen Eltern, die zu der Kriegskinder-Generation gehörten. So kann man sagen, der 2. Weltkrieg und eigentlich alle Kriege haben bei uns allen Spuren hinterlassen, die wir überall zu spüren und zu hören bekommen. Gerade auch in unserer Stimme und unserem Singen.

Da erkenne ich einen deutlichen Zusammenhang zwischen Trauma und Stimme.

Gesangsunterricht, Sicherheit und Nervensystem

Gesang zu unterrichten, ist ein sehr persönlicher Prozess. Und meine Erfahrung hat immer wieder gezeigt, dass wir unsere Gesangslehrer:innen immer mal wieder bewusst und vor allem auch unbewusst als Vater- oder Mutterfiguren wahrnehmen. Und sehr schnell kommt es da zu ähnlichen Konflikten oder auch Beziehungsdynamiken, die wir von sehr früh kennen. Wir können auf Trigger manchmal mit einem sehr ähnlichen Verhalten reagieren, wie wir es aus der Familie kennen.

Und gerade für uns als Lehrende ist es wichtig, sich dessen bewusst zu sein. Dass es Projektionen von Schüler:innen geben kann, aber auch, was wir als Gesangslehrer:innen in diese Beziehung hinein geben. Manche mögen es, sehr persönlich im Unterricht zu werden und bedienen damit einen bestimmten Wunsch, den unsere Schüler:innen haben können, indem sie sich dort sehr gesehen und verstanden fühlen. Das ist wichtig für einen vertrauensvollen Unterricht. Und auf der anderen Seite kann es bei uns Lehrenden auch passieren, dass wir damit bestimmte Defizite, die wir von unseren Eltern mitbekommen haben auf unsere Schüler:innen übertragen. Damit belasten wir das Verhältnis mit all diesen alten Kriegstraumata. Das klingt vielleicht im ersten Moment etwas abwegig und vielleicht auch dramatisierend, aber dieses Sein spielt in all unsere Beziehungen hinein. Und dazu gehören auch intensive Kontakte im Gesangsunterricht.

Auf der anderen Seite können wir in einer solchen Situation gerade durch das Medium Gesang so viel zur Heilung beitragen. Denn die Stimme ist wie kein anderes Instrument geeignet, uns mit unseren ureigenen Ressourcen durch Musik und durch erlebbare Körperschwingung zu verbinden. Hier können über die starken Verbindungen ins autonome Nervensystem Wunden heilen, die über Gespräche nicht oder nur schwer zugänglich sind.

Also was für eine Chance, im Gesangsunterricht direkt mit einer starken Quelle der Heilung verbunden zu sein.

Die Stimme ändert sich, wenn sich die Welt ändert

Können wir daran eigentlich etwas ändern, wenn wir auf diese Weise traumatisiert sind? Können wir unseren Kindern etwas Anderes mitgeben? Wenn ja, wie machen wir das? Was wäre wirklich wichtig? Das wäre ja eine wesentliche Frage, wenn wir nicht nur im Denken oder gar Jammern steckenbleiben möchten. Können wir aktiv werden?

Ich fange einfach mal an zu träumen, was ich denn ändern würde, wenn ich die gute Fee mit einem Zauberstab wäre. Zuerst würde ich die Schulpläne der Welt ändern, indem die wichtigsten Schulfächer Achtsamkeit, Musik, Kunst, praktisches und theoretisches Wissen über Bindungsthemen bezüglich Eltern, Kindern und ihrer Auswirkung auf unser gesamtes (Liebes)-Leben wären.

Denn ich bin zutiefst davon überzeugt, wenn Menschen lernen, sich und ihre Bedürfnisse spüren und ausdrücken zu können, wenn sie lernen sich selbst zu regulieren und ihre Ressourcen kennen, dass dann Kriege, Unterdrückung, super unfaire Wirtschaftsmodelle sehr zurückgehen würden. Auf diese Weise kämen wir dem in einem meiner Lieblingsfilme („Und täglich grüßt das Murmeltier“) viel beschworenen Weltfrieden einen Riesenschritt näher.

Denn ich denke, dass wir alle gesehen, respektiert und geliebt werden möchten. Dass wir uns mit uns selbst im Frieden und im Reinen fühlen möchten. Und wenn wir das nicht bekommen, dann nimmt das Ganze Auswüchse an, es werden Grausamkeiten und Ungerechtigkeiten begangen, die wir seit Jahrtausenden, seit Beginn der Menschheit erfahren. Es gibt meines Erachtens keine Untaten von Monstern, sondern das alles sind menschliche Eigenschaften, die in jedem von uns schlummern, wenn unser Grundbedürfnis nach Liebe, Zugehörigkeit und Respekt nicht beachtet wird.

4 Kommentare zu „Trauma und Stimme – eine Kriegsenkel-Thematik?“

  1. Ich Stimme jedem Gedanken zu. 🙂 Und mein Zauberstab würde an derselben Stelle ansetzen und in dieselbe Richtung schwingen. Auch glaube ich nicht an Monster, sondern an tiefe Verletzungen, aus denen heraus monströse Taten erfolgen können. Und daran, dass dort, wo Trauma ist, man nur mit einem traumasensiblen Ansatz etwas wirklich transformieren und nachhaltig verändern kann. 💞

    1. Liebe Elitsa, dann sind wir schon mindestens zwei, die unser Bildungssystem so gern revolutionieren würden, vielleicht verschwinden dann ganz langsam die verletzten Monster-Seelen. Das wäre eine echte Transformation

  2. Liebe Hilkea, Vielen lieben Dank für deinen berührenden Artikel. Ich teile deine Gedanken und nehme viele Inspirationen für mein weiteres Schreiben mit. Alles Liebe, Birgit

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