Vagus und Kehlkopf sind beide DIE großen Stars unter den Protagonisten für die Stimme. Der Vagus, der X. Hirnnerv, der Vagabund, der Umherschweifende ist an so vielen Prozessen im Körper beteiligt, dass er in sehr vielen verschiedenen Disziplinen eine große Rolle spielt. Und das Netz ist voll von Übungen, wie wir in aktivieren und nutzen können.
Ich möchte mich in diesem Artikel vor allem um den Zusammenhang mit der Stimme und dem Gesang kümmern.
Er ist DER parasympatische Nerv, so dass er oft mit dem Parasympathikus gleichgesetzt wird. Und das, obwohl es noch eine Reihe anderer (Hirn)nerven gibt, die parasympatische Nervenphasern mit sich führen. Unglaublich viele Bücher sind über ihn auf dem Markt. Er dient der Heilung, der Psychotherapie, ganze Methoden haben sich um ihn herum neu etabliert. Er scheint ein echter Tausendsassa zu sein.
Und natürlich ist er auch für uns beim Singen und in der Gesangspädagogik aus ganz unterschiedlichen Gründen sehr interessant.
Er spielt eine große Rolle bei der Atmung, denn er hat mit Bronchien und Herz zu tun. Aber auch mit den Eingeweiden. Das sind ebenfalls relevante Bereiche, wenn wir uns mit dem Singen, der Stimme beschäftigen.
Und nicht zuletzt ist die gesamte Kommunikation, wie wir sie im Gesangsunterricht nutzen durch ihn beeinflusst.
Neuroanatomie und Neurophysiologie
Schauen wir uns als erstes an, für was im Körper der Vagus zuständig ist:

Auf der obigen Abbildung kann man sehen, dass er seinem Namen mehr als gerecht wird, denn er schweift vom Kopf über den Hals in die Brust, um dann am Ende in den Organen zu landen. Das sind natürlich alles gesonderte Nervenäste, die aus zwei Ursprungskernen im Gehirn stammen und sehr unterschiedliche Faserqualitäten beinhalten.
Nervenfaserqualitäten im Vagus
Ich nehme das hier etwas genauer mit auf, weil ich das wichtig finde unter dem Aspekt, dass heute in sehr vielen Fachgebieten mit dem Vagus gearbeitet wird, ohne dass diese wichtigen Unterscheidungen immer wirklich klar sind. Nervenfasern haben unterschiedliche Möglichkeiten und Aufgaben. Die motorischen sind für Bewegungen zuständig, die sensorischen, um Sinneseindrücke aufzunehmen. Wenn wir von parasympathisch und sympathisch sprechen, befinden wir uns in der Organwelt. Verallgemeinerungen wie die Aussage: „Der Kehlkopf und die Stimme werden parasympathisch gesteuert“ sind also unter dem Aspekt der Neuroanatomie nicht ganz zutreffend.
Was allerdings zutrifft ist, dass all diese Vagusfunktionen durchaus Einflüsse aufeinander haben. Aber wir sollten eben genau sein, wenn wir Behauptungen aufstellen oder Büchern glauben, die das Ganze zu sehr vereinfachen. Sämtliche Zusammenhänge der Funktionen des Vagus zu verstehen fällt selbst langjährigen Vagusforschern nicht leicht, weil er der verzweigteste und verzwickteste der Hirnnerven ist.
Kooperation von Vagus und Glossopharyngeus
Der Vagus hat viele Kooperationspartner:innen, aber die engste hat er mit dem Glossopharyngeus. Sie teilen sich einen Hirnnervenkern, den Nucleus Ambiguus. Und sie bilden zusammen ein Nervengeflecht, den Plexus pharyngeus und innervieren damit teilweise die gleichen Strukturen in der Rachenrückwand. So können wir auch neuroanatomisch sehen, dass Stimmlippen und Vokaltrakt wirklich eng zusammenarbeiten und von daher auch im Gesang immer zusammengedacht werden sollten.
Beim sensomotorischen Wahrnehmungstraining, was wir in der Rabine-Methode anwenden geht es uns immer darum, den Körper mit der Stimmfunktion verbunden spüren zu lernen. Denn er ist unser Instrument. Und alle Wahrnehmung führt am Ende dahin, die Schwingung der Stimmlippen und die Gestalt des Vokaltraktes in seiner Effizienz als Mittelpunkt der Stimme und als Regelung für alles zu erleben. Dann wird von dort ausgehend klar, was die Stimme vom Körper braucht an Atmung, als Aufrichtung und Haltung im Singen, an Frequenzen usw. Und aus dieser Sicherheit und diesem Mittelpunkt gestaltet sich all unsere Musik.
Dann bewahrheitet sich sowohl sängerisch als auch neurologisch der Satz von Eugen Rabine: Stimmlippen und Vokaltrakt sind verheiratet.
Mehr über den Glossopharyngeus und den Vokaltrakt findest du in einem weiteren Blogartikel.
Für Sänger:innen interessante Aspekte des Vagus
Am interessantesten sind für uns Sänger:innen sicherlich die Aspekte der Innervation des Kehlkopfes, des Rachenraums und des weichen Gaumens. Die inneren Muskeln des Kehlkopfes werden von ihm innerviert. Und in der Rachenrückwand und dem weichen Gaumen arbeitet er mit dem Glossopharyngeus zusammen, der eine große Rolle bei der Gestaltung des Vokaltraktes und damit unseres sängerischen Klangs spielt.
Aber auch die Aspekte in der Atmung sind für uns Sänger:innen interessant. Denn Atmung spiegelt auch immer die Emotion wieder. Kein Atemzug ist wie der vorhergehende und die Zusammenarbeit von Atmung und Herz ist etwas, was wir Sänger:innen immer wieder auf der Bühne erleben können.
Experiment zu Nervensystem und Atmung
Nimm dir etwas Zeit, setze dich auf einen Stuhl und nimm deine Atmung wahr. Nimm für die folgende Übung nur Situationen, die dich etwas unwohl haben fühlen lassen, bitte nichts, was du als traumatisierend einstufen würdest. Das Nervensystem reagiert auch auf kleine und feine Situationen, so dass du sicherlich etwas erleben wirst.
Denke an eine Situation, wo du dich unwohl, nicht sicher gefühlt hast. Vielleicht siehst du innere Bilder, vielleich fühlt es sich an wie in der Situation, vielleicht riechst du etwas. Und dann wandere mit deiner Aufmerksamkeit zu deiner Atmung. Hat sie sich verändert? Wie ist dein Puls, den Gefühl für den Herzschlag?
Wenn du das für dich erleben konntest, komme zurück, öffne die Augen, falls du sie geschlossen hattest, bewege dich ein wenig auf dem Stuhl und mache dich dann bereit für den zweiten Teil.
Erinnere dich an eine Situation, die richtig gut für dich gelaufen ist, du hast dich geliebt und gesehen gefühlt, du hattest Erfolg, du hast dich sicher gefühlt. Wie sehr kannst du die Situation vor deinem inneren Augen sehe, vielleicht Geräusche, Stimmen hören oder etwas riechen?
Und wie reagiert deine Atmung, dein Herzschlag auf diese Situation? Fühlt es sich anders an? Nimm deine körperlichen Reaktionen wahr.
Und dann komm auch aus dieser Situation wieder zurück.
Gab es körperlich spürbare Unterschiede?
Das wird zu großen Teilen durch dein autonomes Nervensystem hervorgerufen, was zu einem Teil vom Vagus gesteuert ist.
Der Vagus und Rest-and-Digest
In der Literatur wird der Vagus immer als derjenige gezeigt, der für rest-and-digest, also die Erholung und Verarbeitung zuständig ist. Das bezieht sich auf seine Funktion in der Organwelt. Ein Vorgang, der nur in Ruhe und Sicherheit geschehen kann. Aber auch für die innere Wahrnehmung unserer Stimme brauchen wir diesen Zustand der Sicherheit.
Das bedeutet, dass wir mit den Schutzsystemen, die in unserem Körper immer aktiv sind beim Singen so umgehen lernen müssen, dass der Zustand der Sicherheit nie gefährdet ist. Und auch in diesem Zusammenhang spielt der Vagus eine große Rolle. Eine Menge lebenswichtiger Funktionen werden in unseren Bauchorganen verhandelt, ohne dass uns das direkt bewusst wird. Aber es beeinflusst sehr deutlich die gesamte Bereitschaft unserer Schutzsysteme beim Singen sich zu öffnen und zu schließen. Und schon wieder sind wir Sänger:innen an dieser Stelle mit den Hirnnerven konfrontiert. Allen voran dem Vagus und Glossopharyngeus, aber auch dem Trigeminus für Kieferöffnung bzw. Schließung und dem Facialis für unsere Mimik.
Gerade auch für die Schutzsysteme im Singen habe ich einen praktischen Selbstlernkurs entwickelt, den ich auf dem Hamburger Stimmsymposion 2025 mit viel Erfolg für ca. 100 Sänger:innen und Gesangsprofessor:innen gegeben habe.

Some more nerdy stuff
R. laryngeus superior
Er ist ein für die Stimme wichtiger Ast des Vagus und teilt sich auf Höhe des Zungenbeins noch einmal auf. Das ist es, was die Neuroanatomie im Gegensatz zur Anatomie der Muskeln so komplex und manchmal echt knifflig macht, diese ständige Verzweigung, so dass wir manchmal am Ende gar nicht mehr genau wissen, welches der Ursprungsnerv eigentlich gewesen ist.
Wir haben hier die beiden Äste Ramus Externus und Ramus Internus. Dabei versorgt der R. Externus mit seinen Fasern den äußeren Kehlkopfmuskel, den M. Cricothyroideus (kurz bei Sänger:innen als CT bekannt). Der CT ist bei ausreichender Tiefstellung des Kehlkopfes für die Tonhöhenregulation zuständig. Er gibt kleine Äste in den Plexus pharyngeus ab und ist damit auch für den unteren Konstriktor verantwortlich. Der untere Konstriktor bildet den tiefen Raum des Vokaltraktes, wenn er sich runden darf. Er rundet sich auf Höhe des Kehlkopfes und bei entsprechendem Training können wir das nicht nur hören, sondern vor allem als Sänger:innen auch spüren.
Der R. Internus ist flächenmäßig größer als der R. Externus und ein sensibler Nervenast. Er geht durch die Membrana thyroidea und versorgt die Kehlkopfschleimhaut über der Stimmritze. Wenn wir beim Kehlkopf von der Tube in der Tube sprechen, ist er für die Wahrnehmung all dessen zuständig, was sich innerhalb des Kehlkopfes in der Schleimhaut abspielt, die oberhalb der Stimmritze liegt. Das ist eine wichtige Zone, die Luftdruck und Luftfluss misst und darauf reagieren kann. Wir haben hier einen wesentlichen Teil der Funktion, wenn es um die Eigenregulation des Kehlkopfes als eigenständiges Organ geht. Und dort wird der Luftdruck und Luftfluss beim Singen wahrgenommen, was gleich wieder direkte Einflüsse auf die Reaktion der Stimmlippen und des Vokaltraktes hat. Das spüren wir als Sänger:innen und das hört dann im nächsten Schritt auch unser Publikum.
N. laryngeus recurrens und die inneren Kehlkopfmuskeln
Der recht bekannte N. laryngeus recurrens, kurz oft Recurrens ist ein weiterer Ast des N. Vagus. Und hier kommen wir jetzt zur motorischen Innervation der inneren Kehlkopfmuskulatur. Er ist auch derjenige, der bei Operationen, bei der Intubation manchmal verletzt, durchtrennt oder einfach nur geärgert wird und das Resultat kann dann eine Stimmlippenlähmung sein. Der worst case für uns Sänger:innen.
Hier eine Aufzählung der inneren Kehlkopfmuskeln mit ihrer Funktion:
- M. vocalis, in der Literatur auch mal Internus (M. thyroarytaenoideus, pars interna) – schließt die Stimmritze
- M. thyroarytaenoides lateralis (LTA), in der Literatur auch manchmal Externus (M. thyroarytaenoideus, pars externa) – schließt ebenfalls die Stimmritze
- M. arytaenoideus transversus – zieht die Stellknorpel zueinander
- M. arytaenoideus obliquus – zieht die Stellknorpel zueinander
- M. aryepiglotticus, in der Literatur auch manchmal M. arytaenoideus obliquus, pars aryepiglottica) – senkt den Kehldeckel (geringgradig)
- M. cricoarytaenoideus lateralis (LCA) – schließt die Stimmritze
- M. cricoarytaenoideus posterior (Postikus) – der einzige Öffner der Stimmritze
All diese Muskeln werden motorisch vom Vagus innerviert. Und die Funktionen, die ich oben aufgezählt habe sind aus der medizinischen Literatur. Was man dabei immer wieder beachten muss ist, dass sie sich vor allem mit der Primärfunktion der Organe beschäftigen. Das bedeutet, der Kehlkopf ist in seiner Funktion für die Atemregulation durch die Ventilfunktion von Stimmlippen und Taschenfalten wichtig. Dabei geht es nicht nur um Atmung, damit wir Luft für den Gasaustausch bekommen, sondern auch um die Druckverhältnisse, die in der Lunge herrschen, damit wir Körperbewegungen ausführen können, die notwendig sind. Das hat also erst einmal mit Singen nichts zu tun.
Zu den Druckverhältnissen und wie sie sich auf die Stimme auswirken, könnte dich mein Artikel „Die Doppelventilfunktion – leicht und gesund singen“ interessieren.
Aber zum Abschluss an dieses Abschnitts: Singen mag zwar eine Sekundärfunktion sein, aber für mich ist sie die Schönste und Berührendste, die es gibt.
Kehlkopf, Singen und Regelfunktionen der Stimmlippen
All diese Muskeln aus dem letzten Abschnitt arbeiten innerhalb unseres Kehlkopfes zusammen. Und ihre Funktion kann im Singen viel differenzierter sein als es uns jede:r Mediziner:in in den Lehrbüchern erklärt. Das ist für uns Sänger:innen ein sehr langes Training bis unsere Muskulatur so fein auf alles reagiert und das macht, was wir uns wünschen, um unseren Gesang das ausdrücken zu lassen, was wir uns wünsche und was geniale Komponist:innen für die Stimme geschrieben haben.
Ohne zu genau zu werden können wir sagen, dass wir beim Singen drei Regelfunktionen in den Stimmlippen haben, die es zu erlernen gilt.
Es handelt sich dabei um Tonhöhe, Lautstärke und die mediale Kompression. Das klingt jetzt erstmal sehr technisch, nicht sonderlich künstlerisch. Aber das sind unsere künstlerischen Mittel. Je besser wir sie zu beherrschen wissen, desto differenzierter und damit emotional ausdruckstärker kann unsere Stimme reagieren. Umso stärker können wir mit unserer Stimme unser Publikum berühren.
Tonhöhe ist ein Aspekt, der natürlich nicht nur für sich steht, sondern einen Ausdruck hat. Warum sind die emotional aufgeladensten Stellen in den Opern oft mit hohen Tönen komponiert? Ein Arie nähert sich jubelnd dem Ende: wir hören lange, hohe Töne. Eine Diskussion wird sehr aufgeladen, sehr wütend, sehr verletzend: sie schreien sich mit hohen Tönen an, nein, Entschuldigung, sie singen natürlich hohe Töne mit hoher Intensität und Lautstärke. Jemand bedroht einen anderen: die Töne werden tiefer, leiser, aber sehr eindringlich. Man will jemandem Angst einflößen? Sie singt die höchsten Töne, die es auf der Opernbühne gibt – ich denke gerade an die Königin der Nacht.
Es ließen sich viele Beschreibungen geben. Aber das, was wir emotional ausdrücken, lässt sich auf die Regelung innerhalb unseres Kehlkopfes zurückführen. Und das geht auf die motorische Innervation des Vagus im Kehlkopf zurück.
Vagus, Atmung und Herz
Der nächste Teil des Körpers, mit dem der Vagus zu tun hat sind Atmung und Herz. Auch hier möchte ich nicht in die Einzelheiten gehen, aber spätestens an dieser Stelle können wir sehen, dass sich rein körperliche Vorgänge mit den emotionalen Aspekten vermischen. Der Vagus steuert nicht unser Zwerchfell, das tut der N. phrenicus und doch ist er an verschiedenen Aspekten der Atmung direkt beteiligt, worauf der N. phrenicus zum Teil dann reagiert. Wir haben hier eine enge Kooperation.
Er misst Luftdruck und Luftfluss in der Schleimhaut des Rachens und Kehlkopfes. Das ist wichtig, damit die Lunge, die Atmung darauf reagieren kann. Er ist zuständig für die Dehnungsrezeptoren in der Lunge. Auch das ist eine wichtige Grundlage für die Atmung.
Auch die Herzrate wird vom Vagus beeinflusst. Wir haben hier eine enge Zusammenarbeit zwischen Lunge, Bronchien und Herz. Das wiederum ist ein interessanter Aspekt, wenn es um das Lampenfieber geht. Viele der Reaktionen, die wir bei Lampenfieber spüren gehen auf die Aktivität des Vagus zurück.
Mein Blogartikel Sängerische Atmung beleuchtet das Thema der Atmung noch genauer. Allerdings ohne spezifische Hinweise auf den Vagus Nerv.
Psycho-emotionale Aspekte der Stimme und des Singens
Meine eigene Erfahrung im Gesangsunterricht
Im Jahr 2007 nahm ich an einer Einführung in die Methode Somatic Experiencing teil. Das ist eine Arbeit mit dem autonomen Nervensystem, was sich vor allem auf Schocktrauma bezieht. Wir machten das gesamte Wochenende verschiedene Übungen, die um die Wahrnehmung unseres Nervensystems auf verschiedene Situationen kreisten. Vieles kannte ich schon aus Selbsterfahrungsgruppen, aber ich hatte noch nie so langsam und so tief die Reaktionen meines Nervensystems erforscht. Auch eine Übung der Seminarleiterin, die sie nur mit mir machte, in der sie einfach meine Oberarme über eine Zeit hielt und mich spüren ließ, ist mir noch in tiefer Erinnerung.
Drei Wochen nach diesem Workshop hatte ich eine Gesangsstunde bei meinem Lehrer Eugen Rabine. Schon als ich vor dem Flügel stand merkte ich, dass sich etwas grundsätzlich anders anfühlte. Ich hatte keinerlei Angst, ich verspürte Neugier. Es war mir nicht bewusst, dass ich am Beginn eines Unterrichts eigentlich immer Angst gehabt hatte. Es war so subtil, dass es nicht in meinem Bewusstsein erschienen war.
Und dann begann die Stunde. Meine Stimme klang anders, ich nahm sie viel differenzierter wahr und die hohen Töne waren um so vieles einfacher. Was mich selbst am meisten berührte war, dass ich spürte, wie ich meine Stimme mochte und nicht mehr mit den Ohren all der Professoren der vergangenen Jahre zuhörte.
Seitdem habe ich meine Ausbildung in Somatic Experiencing absolviert und integriere mein Wissen über das Nervensystem in jeden Kurs und jede Gesangsstunde, die ich gebe.
Die Regulation über Stimme und Vagus für Pädagog:innen
Wie der Vagus und die gesamte Kehlkopffunktion uns auch beim Unterrichten unterstützen ist ein weiteres wichtiges Thema. Denn nicht nur im Singen, sondern auch im Sprechen sind wir mit diesen Funktionen verbunden.
Sind wir ruhig und eher langsam als Pädagog:innen, ist unsere Stimme ruhig und gelassen, das Sprechtempo angemessen? All das wird sofortigen Einfluss auf die Nervensysteme unserer Schüler:innen haben. Denn neben der Wortwahl und der Art, wie ich einen Unterricht aufbaue, ist der Stimmklang ganz entscheidend, mit dem ich angesprochen werde und mit dem ich meine Schüler:innen anspreche.
Ich selber durfte diese Erfahrung machen, je bewusster ich mir meiner eigenen Regulationsfähigkeit über die Stimme bewusst wurde. Denn wir Sänger:innen haben einen großen Vorteil. Wir sind gewöhnt, unsere Atmung wahrzunehmen. In den meisten Fällen wissen wir, wie sich eine ruhige Tiefatmung anfühlt. Und natürlich sind wir dazu in der Lage, mit der Modulationsfähigkeit unserer Stimme zu spielen.
All das können wir als Pädagog:innen einsetzen. Und dann können wir, wie ich es nun seit Jahren erlebe, auch unsere Atmung und Stimme einsetzen, um uns selbst zu beruhigen. Es geschieht also nicht nur in der Richtung, dass unsere Stimme positiv auf Regulation im Nervensystem reagiert, sondern wir nutzen sie aktiv, um uns und unsere Sänger:innen zu regulieren. Die in der Therapie bekannte Co-Regulation kann also hier direkt über unsere Stimme auch im Gesangsunterricht genutzt werden.
Kleine Aufgabe für Pädagog:innen
Mach dir die Mühe und höre anderen Menschen zu, wie sie sprechen. Und dann beobachte deine eigene Reaktion darauf. Gibt es Menschen, deren Art dich ruhiger werden lässt? Gibt es andere, wo du bemerkst, du wirst kribbelig oder gar aggressiv? Wie wirken verschiedene Sprechtempi auf dich? Woran kannst du das merken? Verändert sich deine Atmung? Spürst du etwas im Bauch, in den Eingeweiden?
Wie kannst du dies Wissen praktisch erfahren?
Je nachdem welches gesangliche Thema dich gerade umtreibt findest du bei mir verschiedene Selbstlernkurse, die das Thema sehr praktisch mit Übungen und Ideen angehen. Schau dich gern auf meiner Seite mit den Angeboten um.
Mein neuester entwickelter Selbstlernkurs beschäftigt sich sehr praktisch mit den Schutzsystemen im Vokaltrakt beim Singen. Interesse? Dann schau, ob es für dich passt, wenn du dich für mehr Klang, Öffnung und vor allem Leichtigkeit im Singen interessierst.


1 Kommentar zu „Der N. Vagus und der Kehlkopf“
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