Hilkea Knies Authentizität

Was ist Authentizität?

Authentizität – beginnen wir mit einer Standortbestimmung oder vielleicht doch erst einmal einer Wort-Herleitung.

Authentizität kommt aus dem Griechischen „authentikós“ heißt „echt“. Im Spätlateinischen bedeutet „authenticus“ „verbürgt, zuverlässig“. Eine Echtheit im Sinne von Ursprünglichkeit. Also etwas sehr Schönes im wahren Sinn des Wortes.

 

Ich und die Authentizität

Wenn ich allerdings das Wort Authentizität höre, denke ich erst einmal: was für ein blödes Modewort. Alles und Jeder soll heute total authentisch sein. Und wenn ich von dieser „Rant-Persönlichkeit“ (ein Rant ist eine schriftliche Schimpftirade und ich liebe Rants) ein wenig Abstand gewinne, dann werde ich sehr schnell sehr weich im Inneren.

Denn Authentizität ist genau das, was ich seit Jahren, ja Jahrzehnten anstrebe, wenn ich mich in Therapie, in die Selbsterforschung begebe. Und mittlerweile bekomme ich viele Rückmeldungen, dass mich Menschen echt finden, dass sie meine Authentizität lieben. Und das nicht nur privat, sondern vor allem auch beruflich. Wenn ich schreibe, wenn ich spreche, wenn ich arbeite, kommt etwas an bei den Menschen. Die Rückmeldungen zu meinem derzeit laufenden Beta-Kurs „Die Nervenstarke Stimme“ sind voll von Bestätigungen, dass sie meine Echtheit lieben, neben all den Kenntnissen, die ich vermittle.

 

Eine Situation, in der Authentizität gefragt war

Und heute hatte ich mal wieder die Möglichkeit, mich wirklich authentisch zu zeigen.

Ich war seit gestern in Wachenheim, um dort Einheiten zu leiten für Sänger:innen, die in der 4-jährigen Ausbildung zum CRT (Certified Rabine Teacher) sind. Wir waren wie so oft im zeitlichen Verzug. Meine 2 Einheiten, die am Freitag zum Schluss geplant waren, waren so spät, dass wir nur eine geschafft haben und beschlossen, die weitere auf den Samstag zu verschieben und früher anzufangen. Ich versprach, sehr kompakt zu arbeiten, so dass sie auch noch eine verdiente Pause vor den Nachmittagseinheiten haben konnten, die dann mein Kollege leiten würde.

Doch innerhalb meiner ersten Einheit am Morgen merkte ich, wie ich anfing mich unter Druck zu setzen. Ich war zeitlich überhaupt nicht dort, wo ich gern gewesen wäre, ich konnte nicht frei im Kontakt mit den Studierenden sein, die Interaktion fühlte sich von meiner Seite aus nicht echt an und das Ergebnis war für mich nicht wirklich zufriedenstellend. Ich hatte ihnen nicht das gegeben, was ich so gut kann und was ich an meiner Arbeit liebe, so kam es mir vor.

Und bevor ich dann die zweite Einheit begann, merkte ich, wie ich die Wahl hatte, mich zusammenzureißen oder zu sagen, wie es mir geht, bevor ich mich ans Klavier zur nächsten Einheit setzte. Kurz stritt es in mir. „Ich bin doch die Leitung“, „mach deinen Job“, „ein Profi lässt sich nichts anmerken und macht einfach weiter“…

Nein und nochmal nein. Jemand wie ich, die die ganze Zeit mit dem Autonomen Nervensystem und der Stimme beschäftigt ist, weiß, was hier gerade im Gang war. Ich hatte mich selbst durch verschiedene Dinge so stark unter Druck gesetzt. Ich war in „Gelb“, mein Nervensystem war in einer zu starken sympathikotonen Erregung, ich war im Kampf- oder Fluchtmodus. Wenn ich da bin, kann ich nicht gut denken und vor allem kann ich nicht mitfühlen. Ich bin definitiv mit Überleben beschäftigt. Da geht dann nicht mehr viel nebenbei. So kann und so möchte ich nicht unterrichten, überhaupt nicht so mit Menschen sein.

 

Meine Entscheidung hin zur Authentizität

Also nahm ich mir ein Herz, nein, ich nahm Mein Herz und teilte mit, wie es mir ging. Die Tränen stiegen auf, sie durften sein. Ich sprach darüber, welchen Druck ich mir gerade machte und dass ich mir aber nichts sehnlicher wünschte, als in aller Ruhe und im Kontakt mit ihnen durch diese wunderbaren Übungen und die Theorie zu streifen. Alles zu erkunden, was Fragen aufwarf, die Selbstwahrnehmung anzuleiten und ihnen die Zeit zu geben, die dieser Prozess braucht.

 

Authentizität Hilkea beim Unterrichten

 

Und ich schaute in liebevolle Gesichter, die mich fragten, was ich brauchen würde, um weiter so mit ihnen arbeiten zu können. Schon bei der Erinnerung kommen mir wieder die Tränen. Was für ein Kontakt.

 

Kontakt in der Polyvagaltheorie

Allein durch das Sprechen waren wir alle in Grün. In der Polyvagaltheorie des Autonomen Nervensystems bedeutet das einen neurobiologischen Zustand, in dem wir gleichzeitig bei uns und den anderen sein können. Wir sind fähig, in tiefen Kontakt zu gehen und uns zu verstehen, innerlich genauso wie durch unsere Sprache.

Der Rest des Vormittags verging für uns alle wie im Flug. Aber nicht, weil wir gehetzt oder gestresst gewesen wären. Wir waren im Kontakt und damit im Hier und Jetzt. Mal wurde gescherzt und laut und herzlich gelacht. Dann wieder war fast eine heilige, stille, intime Atmosphäre als alle ihr Vibrato spürten, sich die Gruppe auf einmal synchronisierte und diese hoch energetische Stille eintrat. Sich die Welt verlangsamte und intensiver im Fühlen und Erleben wurde.

Wir arbeiteten 5 Stunden mit sehr wenig Pause und waren doch alle hellwach am Ende. Ich beendete den Vormittag mit einem großen und tiefen Dank an die Gruppe, dass wir so miteinander sein und arbeiten konnten. Sie bedankten sich bei mir dafür, dass ich mich so gezeigt hatte.

Ich fuhr mit dem Gedanken nach Hause, dass es genau richtig so gewesen war. Das ist die Art, wie ich mich mit Menschen fühlen möchte. Und ich glaube daran, auch wenn ich die Lehrerin bin, dass ich mich zeigen darf, genau so wie es mir geht. Es untergräbt in keiner Weise meine Autorität, ganz im Gegenteil.

 

Was ist Meisterschaft?

Ist es nicht genau das, was uns zu Menschen macht? Wissend und unwissend zugleich sein. Mal stark, mal schwach. Mal ganz in unserer Mitte und dann wieder auf der Flucht. Uns mit Menschen verbinden, um uns gegenseitig zu helfen, zu unterstützen, füreinander da zu sein. Völlig unabhängig davon, wer gerade wen etwas lehrt.

Und ist es nicht genau das, was ich seit Jahren in der Rabine-Methode gelernt habe und lehre? Ist es nicht das Menschenbild, was Eugen Rabine zeit seines Lebens angetrieben hat, seine Methode zu entwickeln? Und ist es nicht genau das, warum ich seit über 30 Jahren innerhalb dieser Methode mit einer solchen Begeisterung lerne und lehre?

Und wurde mir nicht unter anderem deshalb an meinem Geburtstag 2018 ein Zertifikat überreicht, auf dem steht, dass ich nur ein Certified Rabine Master Teacher bin? Weil ich mich tief in das Wesen der Methode eingearbeitet und eingefühlt habe und sie täglich im Leben und mit meinen Schüler:innen umsetze so gut ich es kann.

Vor ein paar Tagen schrieb ich in der Gruppe von Monika Stolina, meinem Schreib Coach ein Akrostichon über die MEISTERIN:

Authentizität Akrostichon

 

Ich tat mich ein wenig schwer damit, zu erkennen, dass ich in weiten Teilen diese Meisterin bin. Dass ich sie verkörpere. Denn es kam mir überheblich, unangemessen vor. Aber ist es nicht auch genau das? Die radikale Annahme dessen, was ist? Ich jedenfalls wünsche mir keine unfehlbaren Meister:innen, ich wünsche mir Menschen. Menschen mit einem Höchstmaß an Authentizität und Echtheit. Und wer, wenn nicht ich selber, soll es denn sein?

Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst.

In diese Richtung habe ich auch heute wieder einen Schritt gewagt. Und ich habe es in keiner Minute bereut. Denn der authentische Kontakt, den ich damit zu mir und meinen Mitmenschen herstelle, ist das, was ich mir zutiefst wünsche und was ich zutiefst bin.

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